Tag 14: Mobile Evolution der Macintoshs
Lesedauer: 6 MinutenWas für ein Anblick. Die mobile Evolution von Computern am Beispiel Apple zu erleben ist einfach großartig. Ein Blick in meine Sammlung.
Der vierzehnte Beitrag in meiner Reihe von Beiträgen zur Neugestaltung der Ausstellung in meinem Computermuseum. Heute und an weiteren 19 Tagen stelle ich die Zusammenstellung meiner Ausstellungsstücke vor. Als ich dieses Fach in meinem Regal mit Exponaten bestückte, stellte ich fest, dass ich hier eine schöne mobile Evolution von tragbaren Macintoshs aufzeigen konnte. Vom PowerBook 180 bis zu meinem eigenen MacBook Aluminium Unibody aus dem Jahr 2008 waren viele Meilensteine der mobilen Computer von Apple zu sehen. Diese will ich heute vergleichen. Vor ein paar Jahren habe ich schon einen ausführlichen Beitrag über die mobilen Computer geschrieben.

Apple PowerBook 180
Das Apple PowerBook 180 war mein erster bei eBay ersteigerter Computer. Für wirklich wenig Geld hatte ich den Zuschlag bekommen – 3..2..1..meins. Der Grundstein meines Computermuseums war gelegt. Und es ist ein wirklich schwerer Computer. Aber wiederum nicht so schwer, wie Apples erster Versuch einen mobilen Computer zu bauen: der Macintosh Portable.
Das PowerBook 180 war das leistungsfähigste und teuerste Gerät dieser ersten PowerBook-Reihe. Die damaligen 4000$ Kaufpreis entsprechen heute 8000$. Dafür bekam man einen Motorola 68030 Prozessor, ab 4 MB RAM und ab 80 MB interne Festplatte. Man konnte auch einen externen Monitor anschließen. Das kompakte Design ist aus einer Zusammenarbeit von Apple und Sony entstanden. Dadurch ist auch die nach hinten versetzte Tastatur und die Handballenablage mit dem zentralen Pointing Device geschaffen worden. Dies war der Prototyp für alle heutigen Laptops. PC Laptops wie mein Highscreen 386SX 20 hatte damals kein Eingabemedium außer der Tastatur. Eine Maus musste über einen PS2-Port oder eine serielle Schnittstelle extern angeschlossen werden. Beim PowerBook 180 war noch ein Trackball anstelle eines Trackpads verbaut.
Apple PowerBook G3 „Wallstreet“
Im Jahr 1994 führte Apple die Power PC Prozessoren anstelle der Motorola 68000er Prozessoren ein. Der Umstieg war erforderlich geworden, da die Intel Prozessoren die PCs so viel leistungsfähiger machten und Apple mit den Motorola Prozessoren nicht weiterkam. Power PC Prozessoren sind aus einer Zusammenarbeit von Apple, IBM und Motorola (kurz: AIM) entstanden. Im PowerBook eingebaut wurden die 1998 verbauten Prozessoren G3 genannt. Das Apple PowerBook G3 „Wallstreet“ war ein Fernsehstar, der in vielen Serien und Filmen auftauchte. Es ist ein sehr stylisches Gerät was überraschend schwer gebaut war. Seine Besonderheit war die Verwendung eines optischen Laufwerks im ATA-Standard.
Apple eMate 300
Dieser Computer ist kein Macintosh, sondern ein Newton, der mit Tastatur und einem hinterleuchteten Display ausgestattet wurde. Es wurde von Apple als „Laptop“ für den amerikanischen Bildungsmarkt erdacht und dort exklusiv vertrieben. Im Gegensatz zu den Newtons war der Bildschirm quer angeordnet und die Tastatur entsprach in der Größe ca. 85% einer normalen Tastatur. Deshalb war es wirklich eher für kleine Kinderhände geeignet. Ein Stylus war auch vorhanden, mit dem man wie üblich auf den Screen schreiben konnte.
Der Apple eMate 300 ist zur selben Zeit wie das Newton MessagePad 2000 produziert worden. Jedenfalls habe ich selbst das Newton MessagePad 130 in meiner Sammlung. Der Newton war eines der Lieblingsprojekte von Apples CEO John Sculley. In meinem Beitrag Defying Gravity – the Making of Newton habe ich die spannende Geschichte der Entstehung des Apple Newton recherchiert. Schließlich ist dieses Projekt zur selben Zeit entstanden, als bei Apple die Firma General Magic ausgegründet wurde.
Der eMate 300 ist meiner Meinung nach der Urvater des Designs für die iMacs ab 1998. Seine transparentes grünes Gehäuse erinnert so sehr an dieses Design von Ive und Jobs, mit dem sie den Wiederaufstieg von Apple betrieben haben. In einem Artikel habe ich den Namen Thomas Meyerhoffer als Verantwortlichen für das das Design des eMate 300 gefunden. Jony Ive soll den Computer mit seinem durchsichtigen Gehäuse bei einer Präsentation in Amsterdam gesehen haben und hat sich davon inspirieren lassen.
Apple iBook G3 „Tangerine“
Der Computer, der am meisten Aufmerksamkeit und Begeisterung auslöst, wenn ich eine Führung durch mein Museum mache, ist das Apple iBook G3 „Tangerine“. Sein transparentes orangefarbenes Gehäuse und die Form überrascht jeden. Auch der integrierte Tragegriff ist ein willkommenes Detail, was man nicht sofort erkennt. Auf Grund seiner Form wurde es in der Folge Clamshell (Muschelschale) genannt. Das iBook G3 gilt als eines der zuverlässigsten mobilen Macintoshs. Trotz seines Kunststoffgehäuse hat das Gerät ein sehr hohes Gewicht.
Das iBook G3 ist auch ein Fernsehstar. Das iBook G3 Tangerine hatte seinen berühmtesten Auftritt im Kinofilm Legally Blond von 2001 und war der Begleiter einer jungen Reese Witherspoon. Reese ist heute in Apple TV+ der Star der Serie The Morning Show.
Apple PowerBook G4 12“
Was war ich neidisch, als ich dieses winzige Laptop in seinem Aluminium-Gehäuse sah. Das Apple PowerBook G4 12“ war kompakt und extrem leistungsfähig und gilt mit seiner silbernen Tastatur als Urvater der heutigen MacBook Pros. Preislich war es zwischen iBook und dem Apple PowerBook G4 „Titanium“ positioniert. Für viele Nutzer ist dieses PowerBook der beste mobile Macintosh, den Apple je produziert hat. Erstmals ermöglichte das Trackpad die heute so geschätzten Zweifinger-Scrollgesten.
Apple MacBook Pro 15“
Das Apple MacBook Pro 15“ war 2006 der erste Macintosh, der den Übergang von der Power PC Architektur auf die neue Intel Platform machte. Damit wurde auch der neue Name MacBook Pro begründet. Power PC war Geschichte und damit auch der lange gültige Markenname PowerBook. Es ist auch die letzte Evolutionsstufe des Aluminium-Gehäuses, bevor 2008 die Unibody MacBooks auf den Markt kamen. Und nicht zuletzt wurde in diese Gerätereihe erstmals der magnetische MagSafe-Ladeanschluß verbaut.
Apple MacBook White
Mein allererster Macintosh. Mein Freund Christoph hatte mich in einem kurzen Verkaufsgespräch davon überzeugt, dass ich einen neuen Sinn in meinem Leben suchen sollte und hat mir das MacBook mit seinem weißen Kunststoffgehäuse wärmstens empfohlen. Dies war mein Einstieg in die Apple Welt. Es war mit OS X 10.4 „Tiger“ ausgestattet und nur wenig später konnte ich schon OS X 10.5 „Leopard“ installieren. Was waren das damals für interessante Zeiten und neue Erfahrungen, die ich mit diesem Rechner und seinem mittlerweile gereiften Betriebssystemen machen durfte. Ich tauchte damals auch tief ein in die Welt der Steve Jobs Keynotes und war begeistert. Heute setze ich im privaten Bereich ausschließlich Apple-Produkte ein.
Apple MacBook Aluminium Unibody
Im Jahr 2008 kam der bis heute letzte große Designsprung bei den mobilen Macintoshs auf den Markt. Es wurde das Unibody-Design aus Aluminium vorgestellt. Es bot gerade in der Produktion massive Vorteile und war auch bei der Nutzung viel haltbarer und zuverlässiger. Apple hatte damit einen Trend begründet, dem heute alle Hersteller für ihre Laptops folgen. Das Unibody-Design sorgt für weniger Bauteile und mehr Stabilität. Das MacBook sollte der Nachfolger des schwarzen MacBooks und des PowerBook 12″ sein. Es wurde mit einem 13 Zoll glossy Widescreen-Display ausgestattet. Nach dem PowerBook Titanium gab es auch wieder schwarze Tasten. Das Trackpad bekam für damalige Verhältnisse riesige Ausmaße und hatte keine Taste mehr. Die ganze Fläche des Trackpads war nunmehr die Taste.
Das MacBook 2008 sah so hochwertig aus, daß ich es damals unbedingt haben wollte, obwohl ich erst ein Jahr vorher mit dem MacBook White meinen allerersten Macintosh gekauft hatte. Apple war schließlich der Meinung, daß das Aluminum Unibody aufgrund seines Premium Look and Feel nur für das Spitzenmodell MacBook Pro verwendet werden sollte. Deshalb wurde es schon 2009 wieder eingestellt. Erst mit dem MacBook Retina 2012 kam wieder ein MacBook mit Aluminium Unibody auf den Markt.
Fazit
Dieses Fach mit mobilen Macintoshs und dem eMate 300 gibt einen faszinierenden Einblick in die technische Weiterentwicklung der Laptops bei Apple. Unterschiedliche Formen, Materialien und Farben wurden im Laufe der Zeiten eingesetzt. Apple war vielfach Trendsetter, was Design und Funktionen anging. Mein erster Mac war ein MacBook. Mein erstes Sammlungsstück für mein Museum war ein PowerBook. Viel Erinnerungen an eine großartige Produktkategorie, die heute neben dem iPhone zu der wichtigsten von Apple gehört.
Am 24.1.2024 feiere auch ich den vierzigsten Geburtstag des Macintoshs mit einem Artikel zur Präsentation durch Steve Jobs vor der Boston Computer Society.
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