80er 90er Commodore Computer Computermuseum Retrocomputing

Amiga – die Freundin von Commodore

Lesedauer: 13 MinutenAmiga: Ende der 80er Jahre revolutionierte er Grafik und Sound auf Computern. Ich analysiere die Freundin von Commodore

Seit Anfang Oktober 2024 bin ich Besitzer eines Commodore Amiga 500. Ziemlich spät, um sich erstmals mit diesem 16 bit Homecomputer der 80er Jahre des letzten Jahrtausends auseinanderzusetzen, mögt ihr als meine Leser anmerken. Ja, würde ich darauf erwidern, als Atari ST Fan wäre mir früher keine Freundin von Commodore ins Haus gekommen. Aber dank einer Spende meines ältesten Freundes Elmar habe ich jetzt seinen Amiga als Leihgabe für mein Computermuseum bekommen. Und mit diesem Computer haben wir damals Ende der 80er Jahre gemeinsam gespielt. Schon damals musste ich neidlos anerkennen, dass die Spielequalitäten dieses Computers konkurrenzlos waren. Ein Atari ist nie an die grafischen und akustischen Fähigkeiten herangekommen, welche der Commodore Amiga mit seinen Spezialchips ermöglichte.

Amiga 500 - ein technisches 16 bit Wunderwerk
Amiga 500 – ein technisches 16 bit Wunderwerk

Nunmehr knapp 35 Jahre später habe ich mich erstmals mit dem Commodore Amiga und seinen Fähigkeiten auseinandergesetzt. Und ich habe für mich herausgearbeitet, warum der Amiga damals keine Konkurrenz zu meinem Atari Mega ST war. Viel Spaß bei diesem Beitrag über einen Computer, der vieles zu früh konnte und dann aber doch zu spät kam. Ein Computer, der auch heute noch eine große Retro-Community mit vielen interessanten Projekten hat, die ihn unvergessen machen.

Computer Wars zwischen Atari und Commodore

Wie schon meine Einleitung zeigt, gab es immer eine Abneigung zwischen Anhängern der beiden Firmen Atari und Commodore. Man kann beiden Firmen nachsagen, dass sie mit aussergewöhnlichen Spezialchips besonders leistungsfähige Produkte im Homecomputermarkt anbieten konnten. Das war bereits bei den 8 bit Produkten Atari 400/800/600XL/800XL und Commodore 64 so, und dann auch bei dem 16 bit Produkt Commodore Amiga. Dabei ist interessant, dass die Atari (8 bit) und Amiga (16 bit) Spezialchips von Teams rund um den Chipdesigner Jay Miner entwickelt wurden.

Die Geschichte, wie die Firma Amiga von Commodore gekauft wurde bevor Atari sich die von Amiga entwickelten Spezialchips sichern konnte, ist bereits schon häufig erzählt worden. Auch dass Jack Tramiel als Atari-Chef seiner ehemaligen Firma Commodore für diese Demütigung nicht verziehen hat, ist weithin bekannt. Für ihn war Business immer Krieg und so rüstete er sich, um seiner Konkurrenz das Leben möglichst schwer zu machen. Er brachte in Rekordzeit mit seinem Team die Atari ST Reihe von Computern auf den Markt. Weit bevor Commodore den Amiga marktfähig machen konnte. Das lag aber nicht an der Hardware, sondern war vor allem durch eine Verspätung bei der Fertigstellung des Betriebssystems begründet.

Die perfekte Spielemaschine – Amiga 500

Als ich meinen Atari Mega ST im Jahr 1988 kaufte war der erfolgreiche Amiga 500 bereits auf dem Markt erschienen. Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass der Amiga die damals beste Spielmaschine war. Mit Neid schaute ich auf die viel bessere Grafik und Sound der Computerspiele auf dem Amiga. Diese Spiele gab es zwar auch auf dem Atari ST, aber nicht in dieser phantastischen Umsetzung. Und ich genoß diese Spiele auf dem Amiga 500 meines Freundes Elmar, dessen Computer ich jetzt in meinem Computermuseum aufnehmen darf. Vielen Dank an Elmar für diese großartige Leihgabe.

Warum war der Amiga von Commodore dann trotzdem nicht auf meiner Liste der Computer mit haben-wollen-Faktor? Dieser Frage möchte ich in diesem Beitrag nachgehen.

Commodore – der König der Homecomputer

Bereits in einem früheren Beitrag habe ich neidlos anerkennen müssen, dass Commodore den Heimcomputermarkt in Deutschland beherrscht hat. Besonders der C64 hat auf den Schulhöfen der 80er Jahre dominiert. Und ich war außen vor beim Softwaretausch, weil ich damals mit den Sinclair ZX81 und dem Sinclair QL die spleenigen englischen Homecomputer von Sir Clive Sinclair bevorzugt habe. Mein Bruder hatte einen Commodore 64 als Komplettpaket von einem Schulfreund gekauft. Was gab es da für tolle Spiele, wie zum Beispiel Mission Impossible.

Den ersten Amiga 1000 habe ich in meinem ersten Studienjahr bei einem Kommilitonen gesehen. Und die ersten Amiga-Spiele habe ich auf diesem Gerät gespielt, das ich jetzt für mein Computermuseum bekommen habe. Ich wußte also sehr genau, was die Produkte von Commodore auszeichnete.

Aber trotzdem war ich nicht übermäßig beeindruckt und habe meinem Atari Mega ST nicht den Rücken gekehrt. Warum?

Die häßliche grafische Benutzeroberfläche des Amiga

Ich glaube, dass es an der Workbench des Amiga lag. Die Workbench ist die grafische Benutzeroberfläche des Amiga. Auch heute noch ist die Workbench ein Teil des AmigaOS, des Betriebssystems des Amiga. Das AmigaOS bestand

  1. aus dem Kernel, Exec genannt, und wurde von Carl Sassenrath entwickelt. Dieser Kernel hat die Grundlage für präemptives Multitasking gelegt. Carl hat auch die Anforderungen an das CAOS formuliert. CAOS ist die Abkürzung für Commodore Amiga Operating System.
  2. dem AmigaDOS für die ganzen Dateioperationen. Eigentlich sollte CAOS dafür entwickelt werden, aber die Programmierer der Firma Amiga haben es nicht fertigstellen können. Stattdessen wurde Dr. Tim King von Metacomco beauftragt, sein TRIPOS genanntes Betriebssystem als AmigaDOS zu integrieren. Ich empfehle dieses Interview mit Dr. Tim King über seine Erlebnisse mit dem Amiga Team.
  3. den Fenster- und Grafikroutinen, Intuition genannt. Diese wurden von RJ Mical entwickelt, auch eine schillernde Figur aus dem Amiga Team.
  4. und der Workbench. Sie ist die grafische Oberfläche, die Intuition und seine Fenster- und Grafikroutinen nutzte.

Die ersten drei Komponenten waren entweder im ROM oder mussten mit dem Amiga 1000 noch von Diskette geladen werden. Dies war die sogenannte Kickstart Diskette. Nachdem die Kinderkrankheiten des AmigaOS überstanden waren, wurden die Amigas mit Kickstart ROMs ausgeliefert. Der Bildschirm des Amiga zeigte dann an, welche Workbench-Version vom Nutzer eingelegt werden sollte. Die Workbench-Diskette musste dann noch solange eingelegt werden, bis man eine Festplatte an seinen Amiga angeschlossen hatte.

Die Workbench

Viele Amiga-Nutzer haben die Workbench selten gesehen, da sie statt der Workbench-Diskette direkt eine Spiele-Diskette eingelegt haben. Um Spiele zu spielen brauchte man die Workbench nicht und konnte dadurch auch Speicher sparen. Wer aber das großartige präemptive Multitasking des Amiga nutzen wollte, der legte die Workbench-Diskette ein.

Workbench Versionen 1.0, 1.2 und 1.3. Subtile Unterschiede und Weiterentwicklungen
Workbench Versionen 1.0, 1.2 und 1.3. Subtile Unterschiede und Weiterentwicklungen
(Quelle: The Amiga Workbench Simulation)

Er landete auf einem blau/weiß/schwarz/orange-farbenen Ungetüm von grafischer Benutzeroberfläche. Diese Farbkombination hatten die Amiga-Entwickler bewusst gewählt. Denn diese Farbkombination war auch auf einem schlechten Fernseher noch kontrastreich und detailliert genug zu sehen.

Atari-Hater wenden natürlich zu Recht ein, dass der grüne Atari ST-Desktop in der geringen Grafikauflösung auch nicht sehr ästhetisch war. Das gebe ich gerne zu. Aber ich selbst habe den Atari ST immer nur in der schwarz-weißen hohen Grafikauflösung auf dem Monitor SM124 benutzt. Seine 70 Hz Bildwiederholfrequenz war eine Wohltat für die Augen. Und ich habe viel Zeit und Aufwand in die ästhetische Optimierung meines Atari-Desktop gesteckt.

Workbench Versionen 2.0, 3.1 und 3.2. Neuer Look
Workbench Versionen 2.0, 3.1 und 3.2. Neuer Look (Quelle: The Amiga Workbench Simulation)

Ab Version 2.0 der Workbench (im Jahr 1990 für den Amiga 3000) hatte man dann aber diese furchtbaren Farben in augenfreundlichere Varianten umgewandelt. Zu dieser Zeit war es dann normal, dass man den Amiga mit einem Monitor nutzte.

Benutzung der Workbench des Commodore Amiga

Auch die Bedienung der Workbench des Commodore Amiga war gewöhnungsbedürftig. Während der Apple Macintosh und der Atari ST eine Menüzeile dauerhaft oberhalb des Desktops anzeigten, erreichte man die Menüzeile der Workbench des Amiga erst durch das Drücken der rechten Maustaste. Und man muss diese gedrückt halten, um sich durch die Menüeinträge zu bewegen. Wer das schnell mal ausprobieren möchte, dem empfehle ich The Amiga Workbench Simulation auf taws.ch. Alle möglichen AmigaOS-Varianten von 1.0 bis 4.1, und auch die AROS-Variante kann man dort auswählen und im Browser testen. Eine weitere schöne Quelle, die die Workbench 1.3 in JavaScript und DHTML auf einem Browser vorführt ist Chiptune. Viel Vergnügen mit all den Demos.

TAWS.CH Workbench Simulation
TAWS.CH Workbench Simulation

Für einen Nutzer der Standard-GUIs von Apple, Microsoft und Atari ist die User Experience schon sehr unterschiedlich zu dem was man kennt. Für mich als Kenner von vielen unterschiedlichen grafischen Benutzeroberflächen (z.B. Sinclair QL) ist es eine willkommene Variation der Nutzung der Maus. Wirklich merkwürdig war aber die Bedienung der graphischen Oberfläche des Acorn Archimedes.

Interessant ist die Möglichkeit mehrere Programme in unterschiedlichen Auflösungen und Farbtiefen parallel mit präemptivem Multitasking laufen zu lassen. Und dazu kann man die Workbench nach unten schieben, um auf diese unterschiedlichen Programme zugreifen zu können. Eine ganz spektakuläre grafische Darstellung, die nur wegen der Spezialchips des Amiga möglich war.

Workbench 1.2 auf einem Amiga 1000 – spektakuläres präemptives Multitasking (Quelle: Excelsior10000 auf YouTube)

Wenn man aktuelle Versionen von AmigaOS betrachtet, dann sieht man, dass die grundlegenden Benutzungsprinzipien der Workbench auch heute noch gültig sind. Die Nutzer sind also mit der Workbench zufrieden. Findige Entwickler haben in den letzten Jahrzehnten viele moderne Erweiterungen hinzugefügt, so dass sich AmigaOS auch heute noch aktuell anfühlt.

Die Hardware des Amiga

Die Hardware war der Grund weswegen der Amiga so spektakulär war, als Commodore seinen neuen 16 bit Computer am 23.7.1985 vorstellte. Seine Spezialchips erlaubten grafische und akustische Operationen, die man noch nie bei einem Computer dieser Leistungs- und Preisklasse erlebt hat. Es war ein gewaltiger Schritt vom C64 hin zum Amiga. Die technische Infusion durch die Firma Amiga hat Commodore gleich für die Zukunft bestens positioniert. Und doch war die Hardware auch wiederum die Achillesferse dieses Computers.

Der Amiga 1000

Aus Kostengründen wurde der Commodore Amiga 1000 nur mit 256 KB RAM ausgeliefert. Jay Miner hat aber darauf bestanden, dass es eine einfache Erweiterung um weitere 256 KB RAM über eine Klappe in der Front des Gehäuses gab.

Das Gehäuse war einem PC nachempfunden. Es gab eine elegante Box mit dem Computer und eingebautem Diskettenlaufwerk und eine abgesetzte Tastatur. Die Tastatur konnte platzsparend unter die Computerbox geschoben werden. Nicht nur optisch glich der Amiga 1000 einem PC, auch der Preis war schon in PC-Regionen angesiedelt. Mit Monitor und dringend benötigter Speichererweiterung war der Amiga 1000 kein Spielcomputer mehr für die Massen.

Das änderte sich erst 1987 mit dem Amiga 500. In den Jahren dazwischen war nur der C64 eine Cash Cow für die Firma. Commodore wusste nicht wie sie den Amiga am Markt positionieren sollten. Die Entwickler waren enttäuscht, dass das Commodore Marketing nichts mit dieser leistungsfähigen Maschine anfangen konnte. Einer der Entwickler baute daraufhin ein Easter Egg in das AmigaOS. Bei der Eingabe einer Tastaturkombination wurde der Text We made the Amiga, they fucked it up angezeigt. Das führte dazu, dass die europäische Einführung des Amiga 1000 um mehrere Monate verzögert wurde.

We made the Amiga, they fucked it up (Quelle: digitalistaDE auf YouTube)

Erst der CEO Thomas Rattigan entwickelte mit Amiga 500 und Amiga 2000 eine Produktstrategie, die erfolgreich war. Leider konnte Thomas Rattigan die Früchte des Erfolgs nicht mehr ernten. Der Aufsichtsratvorsitzende von Commodore, Irving Gould, entließ ihn und besetzte den Posten des CEO dann mit wenig kompetenten Nachfolgern, die kein Verständnis für die Produktstrategie eines Computerherstellers hatten.

Chip RAM, Fast RAM und Slow RAM

Für mich persönlich ist die RAM-Ausstattung des Amiga eine merkwürdige Designentscheidung. Während bei meinem Atari Mega ST bis zu 4MB linear genutzt werden konnten, gab es unterschiedliche RAM-Varianten beim Amiga. Es gab das sogenannte Chip RAM, was vom 68000er Prozessor und von den Spezialchips genutzt werden konnten. Meistens waren das 512 KB RAM, später auch mehr. Es gab dann das Fast RAM, was nur vom Prozessor angesprochen werden konnte. Und schließlich noch der Slow RAM genannte Speicher, der über die Klappe unter dem Amiga 500 eingebaut wurde. Hier wurden meistens 512 KB RAM verkauft. Dieser Speicher konnte auch nicht von den Spezialchips genutzt werden.

Das Chip-RAM wurde so mit der Zeit zu einem ernsthaften Performance-Flaschenhals für das ganze Amiga-System. Schon zu Commodore-Zeiten begann aber auch das Zeitalter der einsteckbaren Grafikkarten, die solche Beschränkungen nicht kennen und wesentlich mehr Auflösungen und Farbtiefen generieren konnten. Ja, es gab viele Speichererweiterungsmöglichkeiten, die dem Amiga dann auch mehr als 4 MB RAM Ausstattung brachten. Aber viele der Spiele waren dann nicht mehr kompatibel und liefen nicht.

Spiele hui – Anwendungssoftware pfui?

Für mich war es vor allem interessant zu sehen, welche professionelle Anwendungssoftware neben den Spielen auf dem Commodore Amiga genutzt wurden. Es waren vor allem Programme in den Bereichen Grafikbearbeitung, Videoproduktion und Musik. Andere professionelle Bereiche wie Office-Software, Desktop Publishing und Datenbanken waren eher unterentwickelt. Auch wenn es durchaus gute Textverarbeitungen, Tabellenkalkulationen und Datenbanken gab.

Trotzdem war der Amiga für die meisten nur ein Spielecomputer. Der Atari hatte eine größere Auswahl an hochklassigen Anwendungen. Vor allem von deutschen Entwicklern wurde die Atari ST Plattform professionell weiterentwickelt. Der Atari ST überzeugt mit einer Vielzahl an leistungsfähigen Desktopalternativen und professionellen Anwendungen. Selbst präemptives Multitasking lernte er im Jahr 1992 durch Mag!X. Aber auch die Atari Computer hatten damals keine Chance mehr gegen die PCs. Der Falcon 030 war der letzte 32 bit Rechner von Atari und wurde 1994 eingestellt. Ungefähr 2,3 Millionen Atari ST, TT und Falcon wurden weltweit verkauft.

Quo vadis Amiga?

Was machte den Commodore Amiga 500 zu einem großartigen Computer? Es waren vor allem seine Custom Chips, die ungeahnte grafische und akustische Fähigkeiten ermöglichten. Aktiviert wurde dies durch Programmierer, die ihre Kreativität voll in dieses System einbringen konnten und den Amiga immer mehr ausreizten. Als der Amiga dann vor allem in Europa erfolgreich wurde, Ende der 80er und Beginn der 90er, entwickelte sich aber auch der PC Markt. Dort wurden Grafikkarten und Soundkarten immer besser. Schließlich überholte diese Hardware in den PCs den Amiga und machten ihn damit obsolet. Obwohl geschicktes Marketing, z.B. Bundeling eines Top-Spiels wie Batman mit einem Amiga, den Verkauf weiter anheizte, so waren doch dann 3D Shooter wie Castle Wolfenstein und Doom die Sargnägel für den Amiga und die Weiterentwicklungen an den Spezialchips, die Commodore betrieb.

Am 29.4.1994 meldete Commodore Insolvenz an. In Nordamerika hatte der Amiga schon lange keine Rolle mehr gespielt. Dort wählten Consumer als Spielecomputer nicht den Commodore Amiga, sondern PCs. Außerdem hatten weiterentwickelte Spielkonsolen aus Japan dem Amiga schon lange den Rang abgelaufen. Weiterhin wurden die meisten Spiele nur für die PAL-Version geschrieben und nicht für die amerikanische NTSC-Variante. In Europa, vor allem in UK und in Deutschland, war der Amiga sehr erfolgreich. Die beiden Commodore-Geschäftsführer David Pleasance und Petro Tyschtschenko versuchten die Reste der Commodore-Bestände und die Namensrechte zu übernehmen.

Ein Leben nach Commodore

Gewonnen hat schließlich Tyschtschenko und Escom Computer. Aber auch nur kurzfristig. Nicht mal zwei Jahre später war auch Escom bankrott. Tyschtschenko gelang es in der Folge zwar noch weiter Amigas der Baureihen 1200 und 4000 zu produzieren und zu vertreiben, aber spätestens 2001 war die Hardware-Geschichte des Amiga endgültig vorbei.

Heute gibt es eine lebhafte Retroszene um den Amiga und sein AmigaOS. Hardware- und Software-Projekte entstehen weiterhin und finden ihre Fans. Petro Tyschtschenko tritt selbst mit über 80 Jahren noch regelmäßig auf Retrocomputer-Treffen auf und berichtet über seine Zeit und seine Erfahrungen mit dem Amiga. Ich selbst habe ihn im Jahr 2023 bei der Classic Computing 2023 in Dietzenbach erlebt.

Petro Tyschtschenko in Dietzenbach bei der Classic Computing 2023
Petro Tyschtschenko in Dietzenbach bei der Classic Computing 2023

Eine interessante Begegnung, bei der er sein Buch vermarktete. David Pleasance pflegt eine Love Hate Relationship zu Tyschtschenko. Er kann ihm nicht verzeihen, dass er 1994 nicht den Zuschlag für die Überreste von Commodore erhalten hat. Und auch er schreibt seine Geschichte in Büchern nieder.

Fazit

Letztendlich muss man aber sagen, dass keine dieser beiden Persönlichkeiten in der Lage gewesen wäre, dem Amiga neue technologische Impulse für die Zukunft zu geben. Der eine wollte sein unbestreitbares Marketingtalent in die weitere erfolgreiche Vermarktung des immer gleichen Weines einbringen. Der andere wollte seine unbestreitbaren Logistikerfahrungen in den weiteren erfolgreichen Vertrieb der bestehenden Produkte stecken.

Der Amiga ist für mich vor allem ein Geniestreich mit seinen Spezial Chips und seinem präemptivem Multitasking. Das waren Alleinstellungsmerkmale in der damaligen Zeit. Im Gegensatz zu Apple Macintosh und Atari ST konnten alle Amiga Apps von Anfang an parallel genutzt werden. Fähigkeiten, die es bei Apple und Atari erst viel später gab. Und dann konnten viele alte Apps nicht im Multitasking verwendet werden.

Spätestens 1995 war die Zeit des originalen Amiga und seiner Weiterentwicklungen vorbei. PCs und Spielkonsolen konnten dasselbe oder mehr. Heute läuft das AmigaOS und Amiga Software auf Emulatoren.

Der Amiga wurde in all seinen Variationen bis zu 5 Millionen mal verkauft.

Amiga Verkaufszahlen weltweit
Amiga Verkaufszahlen weltweit (Quelle: Ahoy auf YouTube)

Das folgende YouTube Video fasst nochmal schön zusammen, was den Amiga so besonders machte. Viel Spaß mit vielen Zitaten von Jay Miner, dem Vater des Amiga.

Amiga: Zusammenfassung mit den Worten von Jay Miner (Quelle: Ahoy auf YouTube)

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