Viele Zeitgenossen meiner Generation haben warme Erinnerungen an Computermagazine der 80er und 90er Jahre. Fast jede Woche schien damals ein neues Format auf den Markt zu kommen. Manchmal einem Computersystem gewidmet, wie Your Sinclair oder 64er. Manchmal mit allgemeinem Fokus auf Computerenthusiasten, wie Happy Computer oder Your Computer. Die Your Computer der Jahre 1983 bis 1985 lag mir besonders am Herzen. Warum, möchte ich in diesem Beitrag beschreiben.

Computermagazine am Kiosk haben damals eine unglaubliche Faszination auf uns ausgeübt. Futuristische Cover zeigten uns einen emotionalen Blick in die Zukunft. Jede Woche kamen die Neuigkeiten aus der Computerwelt auf diesem Weg in unsere Jugendzimmer. In mehrseitigen Anzeigen bekamen wir Produkte präsentiert, die wir gerne kaufen wollten. Listings ermöglichten uns günstig Software für unsere Computer einzugeben. Und wir fühlten uns wie Softwareentwickler, wenn wir nach stundenlangem Eintippen und Debugging schließlich das Programm zum Laufen gebracht haben. Die Testberichte über Hardware und Software gaben uns Orientierung in dieser bunten Welt. Eine Community von Gleichgesinnten kam hier zusammen, bevor es Computerforen oder Newsgroups gab.
Wir sammelten nicht nur ein Computermagazin, sondern viele unterschiedliche, weil jedes uns was zu bieten hatte. Viel von meinem Taschengeld ist in diese Magazine gegangen. Stundenlang blätterten wir durch diese Ausgaben und versanken in die damaligen Computerwelten.
Heute gibt es in den USA fast keine Printausgaben von Computermagazinen mehr. Auch bei uns zeigt sich dieser Trend weg vom Print hin zu Online. Die meisten sind nur noch über Plattformen wie Readly in digitaler Form verfügbar. Ich habe noch ein Computermagazin-Abo vom Heise-Verlag. Die c‘t wird mir alle zwei Wochen in meinen Briefkasten geliefert. Dieses Computermagazin ist noch eines der wenigen, die man in gedruckter Form erhalten kann.
Computermagazine als Lern- und Kommunikationsquelle
Ich hatte in den 80ern und 90ern hunderte Computermagazine gekauft und gesammelt. Die Cover und die Inhalte sind mir noch lebhaft in Erinnerung. Leider habe ich keine dieser Ausgaben mehr. Sie sind alle in die Altpapiertonne gegangen. Ich bereue das heute sehr, aber nach meinem Studium und beruflich bedingten Umzügen musste ich mich von Ballast der Vergangenheit befreien. Hunderte Kilo an Printprodukten sind damals von mir weggeschmissen worden. Ich gebe zu, dass es mir sehr schwer gefallen ist, mich von diesen Schätzen zu trennen.
Diese Computermagazine waren damals eine unverzichtbare Lern- und Kommunikationsquelle für uns Computerenthusiasten. Ich kopierte mir Code-Schnipsel aus Listings, die ich dann in meinem einzigen selbstgeschriebenen Computerspiel ZX Fall wiederverwendete.
Am Heimcomputer sitz ich hier
Programmier die Zukunft mir
Kraftwerk, Computerwelt, 1981
Als Besitzer von Sinclair Computern hatte ich nicht die Möglichkeit mich mit Mitschülern über diese Geräte auszutauschen und Softwarekopien zu bekommen. Deshalb waren Computermagazine für uns Freunde britischer Produkte manchmal die einzige Möglichkeit, mehr für unseren Rechner zu bekommen.
Vielfalt der Computermagazine
Wenn man heute einen Überblick der damaligen Computermagazine bekommen möchte, dann ist entweder Archive.org oder auch Retrocomputing-Websites von Computersystemen der erste Einstieg. Dort bekommt man entweder Cover der damaligen Magazine, einige separat ausgewählte und aufbereitete Artikel oder ganze eingescannte Ausgaben. Einen super Einstieg in über 45000 Treffer mit dem Suchbegriff computermagazines findet man bei Archive.org.
Hervorzuheben sind Computermagazine wie die BYTE, deren Erstausgabe im September 1975 den Beginn der Personal Computer-Berichterstattung einleitete. Der verlinkte Artikel beschreibt nicht nur den Anfang, sondern auch das Ende von Printexemplaren der Computermagazine in den USA. Unbedingt lesenswert. Auch auf heise.de gibt es einen ausführlichen Beitrag über die Welt der Computerzeitschriften.

Die erste deutsche Computerzeitschrift Chip wurde im September 1978 veröffentlicht und kam in die Zeitschriftenregale. Eine digitale Ausgabe der Chip von damals kann man aus deren Archiv herunterladen. Die Chip von Mai 1983 war mein erstes Computermagazin.

Mein zweites Computermagazin war eine Computer Persönlich von März 1983. Ich fand diese ältere Ausgabe in einem Kiosk und war gleich angesprochen von der Kaufberatung zu den damals aktuellen Computern. Wenige Wochen später war meine Entscheidung gefallen und ich kaufte mir meinen ersten Computer. Dieses Computermagazin und die Computerabteilung von Horten auf der Berliner Allee in Düsseldorf haben zu dieser Entscheidung sehr beigetragen.
Historische Computermagazine zum Download bei Archive.org und anderen Anbietern
Meine damalige Leib- und Magenzeitschrift Your Computer gibt es bei Archive.org fast vollständig über mehrere Jahrgänge. Nur einige Ausgaben fehlen. Am Ende dieses Beitrags habe ich eine Auflistung der verfügbaren Computermagazine von Your Computer aus den Jahre 1981 bis 1988 aufgeführt. Auch auf World of Spectrum kann man auf all diese eingescannten Magazine seitenweise zugreifen, aber ich finde die Bedienung auf Archive.org besser. Schöner ist auf World of Spectrum jedenfalls die Wall of Covers dieser ganzen Jahrgänge, die liebevoll aufbereitet ist.

Und auch auf dem CPC Wiki ist eine umfangreiche Sammlung an Covern der Your Computer zu finden. Hier bietet diese Website dann auch zusätzliche Scans von CPC-spezifischen Beiträgen (Articles, Adverts und Listings) aus dem Computermagazin zum Download an.
Die bei weiten umfangreichste Sammlung von Covern internationaler Computermagazine findet man bei Kultboy.com. Stand Januar 2026 finden sich dort 812 „Kultmagazine“ und 14762 Cover in der Datenbank. Was für eine Arbeit und was für ein Schatz. Dort findet sich auch das meiner Meinung nach skurrilste Cover eines Computermagazins der Homecomputerära: CPU 11/1983, ein Pärchen im Bett mit einem C64. Dieses Magazin hatte ich damals selbst gekauft.
Aber mein deutsches Lieblingscomputermagazin der damaligen Jahre war die Happy Computer. Vollständige Jahrgänge von Happy Computer-Ausgaben kann man bei Kultmags.de anschauen oder herunterladen.
Erinnerungen an alte Schätze
Nicht nur ich erinnere mich an solche „Schätze“ der Vergangenheit. Auf Digisaurier.de erinnert sich der ehemalige Chefredakteur der Data Welt, Rainer Bartel, an die Goldgräberzeiten der Computerzeitschriften. Aber mit einem weinenden Auge zeigt er in seinem Beitrag auch auf, wie sich die Auflagenstärke innerhalb der 2000er Jahre immer mehr nach unten veränderte.
Videospielgeschichten widmet einen Beitrag dem Computermagazin Homecomputer. Bemerkenswert an diesem Beitrag ist, dass sich der damalige Herausgeber und Eigentümer des Roeske Verlags, Ralph Roeske, in den Kommentaren meldet und sich über diese Würdigung sehr freut. Er ist 2025 gerade 75 Jahre alt und immer noch aktiv mit vielen Projekten. Auch dieses Magazin habe ich damals gekauft. Vor allem wegen der Listings für den Sinclair ZX81. Die Jahrgänge 1983 und 1984 kann man auf Kultmags.com herunterladen.
Wenn ich alle meine je gekauften Computermagazine behalten hätte, dann würde meine Sammlung wahrscheinlich so aussehen, wie bei vintage-computer.com gezeigt. Der Sammler hat einige Schätzchen, aber nicht die meiner Meinung nach einflussreichste Ausgabe eines Computermagazins: die Popular Electronics von Januar 1975 mit dem Altair 8800 auf dem Cover.

Auch auf YouTube gibt es heute Formate, die sich Monat für Monat mit den Computerzeitschriften der 80er Jahre beschäftigen und ausgewählte Beiträge von damals diskutieren. VD Virtual Dimension haben eine Playlist von Videos unter dem Titel Back in Time: Technik vor 40 Jahren. In mittlerweile über 60 Videos zeigen, zitieren und kommentieren die beiden YouTuber ihre Erinnerungen an diese Zeiten. Unbedingt zu empfehlen.
Your Computer – ein tiefer Einblick in englische Computerwelten

Mein Lieblings-Computermagazin der Jahre 1983 bis 1985 war die Your Computer. Voll mit Listings und Werbung für britische Computerprodukte. Ein Paradies für einen, der in Deutschland fast keine Software für seine Sinclair-Rechner bekam. Wenige Ausnahmen gab es bei Kaufhaus-Computerabteilungen und bei Vobis. Wie sehr erinnere mich daran, als ich mit meinem Fahrrad zu Vobis am Heideweg 107 in Düsseldorf gefahren bin und das großartige Computerspiel Mazogs für den Sinclair ZX81 kaufte.
Um die Your Computer erhalten zu können, musste man schon ein besonderes Zeitungskiosk finden, was auch englische Magazine anbot. Dies waren meistens nur solche am Hauptbahnhof oder am Flughafen zur damaligen Zeit. Aber dann bekam man ein sehr viel dickeres Computermagazin in die Hand als jedes deutsche Printprodukt. Dies lag daran, dass ein Großteil dieses Magazins voll mit Werbung war. Und wie gerne habe ich durch diese bunten Seiten geschaut, die voll mit manchmal unerreichbaren Produkten waren. Einerseits, weil sie zu teuer für meine finanziellen Verhältnisse waren, andererseits, weil ich nicht wusste, wie ich in England bestellen konnte.
Im Vergleich zu den deutschen Homecomputerzeitschriften, die überdurchschnittlich viele Listings für Commodore-Computer anboten, unterstützte die Your Computer die britischen Computer von Sinclair, Oric, Dragon, Acorn und später auch Amstrad mit manchmal sehr ausgefeilten Listings. Außerdem lernte ich dort ganz nebenbei auch noch technisches Englisch, was mir später sehr helfen sollte. Ich tippte auf meinen Sinclair-Computern so viele Listings aus diesem Magazin ab, dass ich auch heute keine Schwierigkeit habe eine Tastatur mit britischem Layout zu bedienen.
Highlights dieses Computermagazins
Über acht Jahre erschien dieses Magazin. Von 1981 bis 1988. Mit dem Auftauchen des Sinclair ZX81 (und des Vorgängers ZX80) deutete sich der Bedarf zu mehr Information über die neuen Spielzeuge der englischen Computerhobbyisten an. Die Macher der Your Computer deckten den kompletten Markt der neuen Maschinen ab und hatten gleich viel Erfolg. Angaben über Verkaufszahlen gibt es nur wenige. Folgende Zahlen konnte ich finden:
| Jahr | Jan-Jun | Jul-Dez |
|---|---|---|
| 1982 | 84250 | 72875 |
| 1983 | na | 122642 |
| 1984 | 154334 | 131769 |
Ein Großteil der Seiten waren keine redaktionellen Beiträge, sondern Werbung. Schon damals war dies eine großartige Fundgrube zu allen möglichen Produkten und Preisen rund um unser Hobby. Und heute schaue ich mit Wehmut und voller Nostalgie auf die vielen Anzeigen zu Hardware und Software dieser damaligen Zeit.
Das verlinkte YouTube-Video zeigt einen Bericht über zwei Your Computer Ausgaben, die der Präsentator erstmalig liest und uns seine Gedanken zu diesem Computermagazin mitteilt. Ich persönlich finde es sehr interessant, da es sich um Ausgaben handelt, die ich damals auch gelesen habe.
Bunte und spektakuläre Werbungen für Spiele
Die Werbung in Your Computer kann man in einige unterschiedliche Kategorien aufteilen. Die spektakulärsten waren immer die Software-Werbungen. Die Publisher von Software verkauften Ideen von bunten Spielwelten. Meistens war das wirkliche Spiel eher grobpixelig mit manchmal verwaschenen Farben (siehe Spectrum Color Clash). Die Marketingspezialisten schafften es aber, mit ihren bunten Bildern die Phantasie bei uns anzuregen und uns zum Kauf der Spiele anzuregen.








Diesen Effekt gab es schon bei Ataris Videspielkonsole VCS und den Spielmodulen, die damals noch viel einfacher von der Spielidee und der Computergrafik waren. Ich habe darüber in meinem Beitrag The Art of Atari – Videospiele und die Coverkunst berichtet. Und die Software für den Sinclair ZX Spectrum zeichnete sich durch seine besondere britische Art aus. Es waren sehr ungewöhnliche Spielideen, die man heutzutage im Mainstream von modernen Computerspielen vermisst.
Herstellerwerbungen für die Homecomputer
Die Hardwarewerbungen waren entweder ganz- oder sogar mehrseitige Werbungen der Hardwarehersteller. Gerade Sinclair hat sich hier mit, auch aus heutiger Sicht, perfekten Hochglanzwerbungen zu seinen Produkten hervorgetan. Gerade die Werbung zum Microdrive-Paket oder die mehrseitigen QL-Werbeeinlagen sind ein Beispiel für Werbungen, die Spass machten diese Produkte gleich kaufen zu wollen.
High Street und Computerwerbungen
Und dann gab es die Werbungen von Geschäften und Ladenketten, die Computer, Zubehör und Software anboten. Aus damaliger und heutiger Sicht waren es großartige Preislisten, wo man die Preise schön vergleichen konnte.
Produktreviews
Als ich 1983 erstmals dieses Computermagazin in die Hände bekam, war die Hochzeit der Homecomputer-Ära. Fast jeden Monat wurden gerade in UK neue Computer vorgestellt und ich war fasziniert über die Berichterstattung. Seitenlang wurde über die Spezifikation der neuen Homecomputer berichtet. Das BASIC wurde mit anderen Computern verglichen. Es war eine unglaubliche Dynamik damals im Markt. Jeder Hersteller wollte den nächsten Spectrum oder den nächsten BBC Micro in den Markt bringen. Und jeder Computer war nicht kompatibel zum anderen. Software wurde natürlich für die Computer geschrieben, die in hohen Stückzahlen verkauft wurden. Alle anderen Computer wurden zwar auch verkauft, aber sehr häufig nur, weil durch Lieferengpässe die erfolgreichen Computer nicht zu bekommen waren.
Aus heutiger Sicht ist es einfach nicht vorstellbar, wie dynamisch damals der Homecomputermarkt war. Nach den 8bit Homecomputern kamen die 16bit Homecomputer von Acorn, Atari, Commodore und Sinclair. Es fällt auf, dass die Your Computer den 8bit Homecomputern aus UK immer sehr verbunden geblieben ist.
Gute Beziehungen zu den Machern in der britischen Homecomputerindustrie
Die britischen Macher dieses Magazins hatten natürlich immer mehr Zugang zu Informationen über britische Computer und Softwareprodukte als die deutschen Magazine. Man bekam immer die neuesten Ankündigungen von Sinclair und Acorn aus erster Hand und druckte sie gleich in der Rubrik News ab. Ankündigungen, die aus unserer heutigen Sicht wenig oder keinerlei Wahrheitsgehalt hatten. Es war meistens Wunschdenken des Managements und es wurden eher Visionen für die Zukunft kommuniziert, die sich niemals als Produkt manifestierten.
Die Your Computer erhielt immer Exklusiv-Interviews mit den Managern der britischen Hardware- und Softwarefirmen. Das Duopol von Sinclair und Acorn trieb den britischen Homecomputermarkt nach vorne. Der BBC Micro von Acorn war immer der bessere Computer. Aber die Sinclair-Produkte waren günstiger.

Konzentration auf den britischen Computerenthusiasten
Im übrigen konzentrierte sich die Redaktion der Your Computer auf den britischen Computerenthusiasten, der ein eingeschränktes Budget zur Verfügung hatte. So war der Sweetspot für Computer im Preisbereich zwischen 100£ und 300£. Gute Software wurde für 8£ bis 10£ angeboten.
Die Dynamik des britischen Homecomputermarktes führte immer zu Lieferengpässen. Einerseits, weil die Produkte noch nicht ausentwickelt waren und viel zu früh angekündigt wurden. Andererseits, weil man die Produktion der Homecomputer nicht so schnell hochfahren konnte oder die Qualität der Produkte schlecht waren. Gerade Sinclair konnte nie seine vollmundigen Ankündigungen einhalten. Aber auch Acorn brachte seinen Elektron viel zu spät auf den Markt.
Gute Beziehungen zu den Lesern
Natürlich gab es für die Leser auch immer die Möglichkeit die Redaktion zu erreichen und Leserbriefe wurden veröffentlicht. Anfangs wurden diese Sektion noch Response Frame genannt, später auch Your Letters und oder einfach nur Letters. Da wurden dann wichtige Fragen wie über die Haltbarkeit der Folientastatur des ZX81 gestellt 😉


Und in jeder Ausgabe wurde ein Computerclub vorgestellt und bekam eine Plattform im Magazin.
Listings und Type-Ins
Dutzende Seiten jedes Your Computer Magazins waren Listings gewidmet. Manchmal wurden sie auch als Type-Ins bezeichnet.
Es gab sehr ausführliche Listings, die manchmal über mehrere Ausgaben gingen. Und es gab immer einen Teil im Heft, wo eine Vielzahl von kleinen Programmen für unterschiedlichste Systeme angeboten wurden.
Der Leser wurde eingeladen, die kleinen Programme direkt in seinen Computer einzugeben. Wenn ich mir heute die eingescannten Magazine anschaue, dann frage ich mich, wie ich damals in der Lage war diese undeutlichen und manchmal sehr klein abgedruckten Programme richtig zu erkennen.
Aber wir hatten Spass. Stundenlang sass ich vor meinem britischen Homecomputer und versuchte die richtigen Zeichen einzugeben. Die Listings für meinen Sinclair ZX81 waren meistens besser und ausgefeilter als vieles, was ich aus deutschen Computerzeitschriften abtippen konnte.
Ich konnte BASIC und Maschinencode für den Z80 Prozessor lernen. Aber meistens wollten wir Computerkids nur spielen.
Hitliste der erfolgreichsten Software-Produkte
Ein weiterer für mich wichtige Baustein der Your Computer war eine Übersicht der erfolgreichsten Computerspiele am britischen Markt. Anfangs waren natürlich auch viele Spiele für meinen Sinclair ZX81 dort gelistet. Später übernahm dann Software für den VIC20, dann den Spectrum, den C64 und dann auch für den CPC von Amstrad die Top-Positionen.








Aus diesen Listen konnte man ableiten, welcher Computer am erfolgreichsten war. Und es war lange der Sinclair ZX Spectrum, bevor C64 und Amstrad CPC mit ihren besseren Leistungen dem Spectrum Konkurrenz machten.
Der Niedergang der Your Computer
Hätte es nicht weitergehen können für die Your Computer wie es andere Computermagazine damals geschafft haben?
Die Macher der Your Computer waren den Besitzern britischer Heimcomputer sehr verbunden. Der Glaube an die britische Hardware- und Softwareentwickler war unendlich. Tolle Computer und Spielprogramme eroberten die Kinderzimmer nicht nur auf der Insel, sondern überall in Europa. Der Spectrum und der BBC Micro dominierten in UK. Oric und Amstrad Computer waren führend in Frankreich. Deutschland wurde beherrscht von Commodore Computern, aber später kamen unter dem Label Schneider auch die britischen Amstrad-Computer bei den begeisterten deutschen Computerkids an.
Der Niedergang läßt sich wirklich nachvollziehen, wenn man sich die erfolgreichen Jahrgänge 1983 und 1984 anschaut und diese mit denen ab Ende 1985 vergleicht. Das Jahr 1985 war desaströs für die britische Homecomputerindustrie und diese Stimmung findet sich in den Ausgaben der Your Computer wieder. Schlechte Neuigkeiten über Finanzprobleme bei Acorn und Sinclair, Oric und Dragon mit Absatzproblemen, und für 1986 hatten die Macher des Magazins auch keine guten Aussichten. Nur Amstrad machte Hoffnung.
Weniger Seiten?
Die Anzahl der Seiten sind vielleicht ein Indikator wie man feststellen kann, ob ein Computermagazin erfolgreich ist oder nicht. In den Hochzeiten der britischen Homecomputer wurde soviel Werbung geschaltet, dass dieses Magazin manchmal bis zu 300 Seiten hatte. In den letzten Jahre hatte die Redaktion Schwierigkeiten mehr als 100 Seiten ausliefern zu können. Zum Schluss waren viele redaktionelle Inhalte erforderlich, um dieses Volumen bieten zu können. Sehr häufig wurden diese redaktionellen Inhalte von Firmen gesponsert. Hier eine Statistik mit den Seitenzahlen des Your Computer Magazins über die Jahre 1981 bis 1988.

Gründe für den Niedergang der Your Computer
Der Niedergang der britischen Homecomputerindustrie begann, als die Hersteller von Computern wie Oric, Dragon und anderen nicht mehr konkurrieren konnten. Sinclair hat sich mit dem QL und dem C5 verzettelt. Acorn brachte den Electro zu spät raus und verbrannte nicht nur auf diese Weise viel Geld. Selbst Commodore zeigte rote Zahlen, obwohl sie mit dem C64 einen Renner hatten.
Die folgende Grafik zeigt die Anzahl der veröffentlichten Homecomputer in den Jahren 1980 bis 1989. Man sieht, dass im Jahr 1982 die einflussreichsten Computer Sinclair ZX Spectrum und Commodore 64 vorgestellt wurden. Wegen des großen Erfolgs dieser beiden Computer wurden in den Jahren 1983 und 1984 die meisten Rechner auf den Markt gebracht. Wenige Anbieter waren mit neuen 8bit-Computern nach 1984 erfolgreich. beispielsweise Amstrad mit seiner CPC-Reihe. Das führte schließlich dazu, dass Sinclair seinen Namen und seine Produkte an Amstrad im Jahr 1986 verkaufen musste.

Halbherzige Weiterentwicklung zu den 16bit Homecomputern
Den Übergang zu den 16bit Homecomputern von Sinclair (QL), Acorn (Archimedes), Atari (ST) und Commodore (Amiga) hat Your Computer nur halbherzig mitgemacht. Wahrscheinlich, weil diese Computer nicht mehr in dem Preisbereich für Homecomputer-Enthusiasten (100£-300£) angeboten wurden.
Während Your Computer weiter seine Homecomputer-Clientel bediente, hat sich die Welt weiterentwickelt hin zu PCs und Macs. Zu Macs gibt es ganz wenig Artikel in den unterschiedlichen Ausgaben. Wenn Apple genannt wurde, dann ging es um den Apple II. Aber der war auch zu teuer für den typischen britischen Computerenthusiasten.



Wo sind die Werbepartner hingegangen, die noch in der Dezember-Ausgabe 1983 den Großteil der Seiten ausgemacht haben? Vielleicht zu den produktspezifischen Zeitschriften wie Your Sinclair? Oder zu den Spielemagazinen, die damals weniger die Computer ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellten, sondern die Software (besonders die Spiele), die auf diesen liefen? Der Markt war damals riesig. Millionen Homecomputer hat es alleine in den Kinder- und Jugendzimmern in Europa gegeben. Und all diese wollten Software haben.
Umstrukturierung des Magazins
Es hat zwei Versuche gegeben das Look and Feel und das Layout des Computermagazins zu ändern. Dies waren 12/1985 und 05/1987. Meiner Meinung nach ist die Your Computer dadurch schlechter lesbar geworden. Ich habe zur Vorbereitung dieses Beitrags alle verfügbaren Your Computer der Jahre 1981 bis 1988 durchgeblättert. Die Jahrgänge 1987 und 1988 habe ich als völlig belanglos und langweilig wahrgenommen. Es gab zwar viele redaktionelle Beiträge, die mich aber nicht mehr angesprochen haben.


Am interessantesten fand ich noch die Hitlisten der erfolgreichsten Spiele und die Spielberichte. Diese sind immer umfangreicher geworden.

Dafür sind aber keine Listings mehr angeboten worden. Das Herz der Your Computer war nicht mehr da. Auf der Seite von Acorn Electron World sind alle für die Acorn Computer veröffentlichten Programme, die in Listings der Your Computer enthalten waren, zum Download verfügbar. Dort kann man sehen, dass das letzte große Listing in der Ausgabe 05/1986 verfügbar war. Man ist dann übergegangen auf einen Verkauf von Kassetten mit den Programmen unter der Rubrik Software Exchange. Kürzere Listings gab es aber doch weiterhin unter der Rubrik Program Listings.

Die Your Computer ist 1988 eingestellt worden.
Fazit
Ich habe mit Hilfe der Your Computer eine phantastische Zeit meiner Jugend erlebt. Über die Jahre 1983 bis 1985 war ich regelmäßiger Leser dieses Computermagazins. Ihr besonderer Fokus auf britische Homecomputer hat mich in einer deutschen Gesellschaft unterstützt, die vor allem den C64 und seine Software als Standardthema hatte.
Ich habe nicht mehr den Niedergang der britischen Homecomputerindustrie und des Magazins Your Computer erlebt. Ich bin auf den Atari Mega ST umgestiegen und habe neue Wege beschritten, die genauso faszinierend wie meine Zeit mit den Sinclair Computern waren. Diesen Schritt habe ich nicht bereut.
Heute denke ich nostalgisch verklärt an die damaligen Erinnerungen und Gefühle zurück. Der Blick in die auf Archive.org abgelegten Scans der Your Computer haben viel ins Gedächtnis zurückgerufen. Einige kleine Perlen sind mir aufgefallen, die ich noch mit euch teilen will.
Zum einen gab es damals das Textadventure Pimania, bei dem man eine goldene Sonnenuhr gewinnen konnte. Hier habe ich von der Softwarefirma Automata, die dieses Spiel und den Preis verantwortet hat, drei schöne Anzeigen gefunden.



Apropos Anzeigen. Könnt ihr euch vorstellen, dass Renault eine Anzeige geschaltet hat, um den Renault 9 in einem Computermagazin anzupreisen? Käufer bekamen beim Kauf einen Sinclair ZX Spectrum dazu.

Und eine weitere Anzeige zeigte leider den Niedergang der Your Computer. Ein Datingportal hat in einer der letzten Ausgaben eine Anzeige geschaltet. Damals war die Redaktion wohl nicht mehr wählerisch bezüglich der Anzeigenkunden.

Liste aller auf Archive.org verfügbaren Your Computer Computermagazine
Alle oben gezeigten Screenshots habe ich aus den unten gelisteten Your Computer Ausgaben entnommen. Alle sind in Archive.org verfügbar und können dort eingesehen werden. Ich wünsche euch viel Spass bei der Lektüre dieser spannenden Inhalte.
































































Oh ja, Stunden wurde 16/48 k hex Code eingedaddelt, um dann lief das Programm nicht. 14 Tage warten, damit man die Korrektur in der Zeitung lesen konnte und das Programm endlich nutzen konnte. Das war unendliche Geduld aber es hat Sau Spaß gemacht.
Der Weg war immer das Ziel 😉 Ich habe noch eine ganz tiefe Erinnerung an ein Spiel für den ZX81, wo ein Ritter eine Burg angreift. Schöne Grafik. Aber ich weiß nicht mehr aus welchem deutschen Computermagazin ich dieses eingetippt hat. Vielleicht weiss Du oder ein anderer noch, wo ich dieses Spiel finden kann.
Ich habe die Antwort mittlerweile selbst herausgefunden. Es ist in der deutschen Zeitschrift Homecomputer Ausgabe 3/1985 veröffentlicht und trägt den Namen Ritter. Daraus wird ein neuer Beitrag entstehen zu ZX81-Listings in der Homecomputer. Offensichtlich habe ich damals alle abgetippt.
Absolut großartig! Vielen herzlichen Dank für das Festhalten dieser Geschichte. Großartig ist auch das Bildmaterial. Ein sehr schöner Text, mit dem ich mich persönlich 100% identifizieren kann.