Foldables Evolution – Apple und das iPhone Duo
Lesedauer: 24 MinutenSchon acht Jahre Foldables Evolution. Mit Apples iPhone Duo erleben die Apple-Nutzer plötzlich ihre Foldables Revolution.
Alle paar Jahre kommt Apple mit einem neuen Produkt auf den Markt. Apple ist niemals der erste, wenn es um neue Produktkategorien geht. Da sind andere wie Samsung – und seit ein paar Jahren auch die chinesischen Wettbewerber – risikofreudiger und stellen ihre Produkte frühzeitig vor. Aber Apple ist gut darin, aus den Fehlern der Konkurrenz zu lernen und herauszuarbeiten, wie ein ausgereiftes Produkt schon in der ersten Generation aussehen kann. Sehr schön ist das bei den faltbaren Telefonen zu sehen, die seit 2018 weiterentwickelt werden. Diese Kategorie wird Foldables genannt und hat einige Väter, wie z.B. Royole, Samsung und Huawei. Die Foldables Evolution gipfelte jetzt im Huawei Pure X Max, Samsung Galaxy Z Fold 8 und im Xiami 18 Fold. Und auch im iPhone Duo, das Apple im September 2026 vorgestellt hat.
Alle vier haben den gleichen Formfaktor. Sie alle haben die Größe eines Reisepasses. Sehr ungewöhnlich, dass alle vier Firmen zum selben Zeitpunkt die selbe Idee haben.
Diese Keynote war auch die Übergabe der CEO-Verantwortung von Tim Cook zu John Ternus. Was für ein generöser Schritt, dass John Ternus bereits in seiner ersten Keynote ein „One More Thing“ vorstellen durfte. Dies war Tim Cook erst einige Jahre nach der Übernahme von Steve Jobs mit der Apple Watch im Jahr 2014 vergönnt.
Foldable Phones – warum?
Seit Jahren gibt es schon den Trend der faltbaren Smartphones. Aber warum? Was macht Foldable Phones so attraktiv? Sind sie besser zu nutzen? Was bieten sie für Vorteile? Was sind die Nachteile?


Seit Samsung sein erstes Samsung Galaxy Fold im Jahr 2019 vorstellte hat die Kategorie der Foldables nur knapp 2% Marktanteil gewinnen können. Die Forecasts für Smartphones weisen wegen der hohen Speicherpreise (RAM und Storage) nur einen Weg. Steil nach unten, was die Absatzzahlen angeht. Nur Foldables werden 12 bis 18% mehr nachgefragt als in den Jahren zuvor.

Kein Wunder also, dass nun auch Apple die Flucht nach vorne antritt und ein erstes eigenes Foldable Produkt, das iPhone Duo herausbringen wird. Allgemein sind diese Geräte mit Einstiegspreisen ab 2000€ nicht mehr in normalen Smartphone-Preisregionen angesiedelt. Dies sind Luxus-Laptoppreise, die hier aufgerufen werden. Und Apple wird trotz der happigen Preise viele Interessenten finden. Das iPhone Duo ist das erste Foldable in der Apple Welt und Apple Kunden gelten als finanziell potent.
Was macht Foldables attraktiv?
Als iPhone-Nutzer habe ich die Foldables im Android Smartphone Markt sehr wohl wahrgenommen. Und ich habe mir mit viel Neugier angeschaut, wie diese Geräte in den vielen Reviews besprochen werden. Die ersten sieben Generationen des Samsung Galaxy Z Fold wurden als normales schlankes Smartphone angeboten, das beim Aufklappen einen doppelt so breiten, fast quadratischen Screen offenlegte. Also war eines der attraktiven Merkmale der Foldable Smartphones der größere innere Screen.

Großer Innenbildschirm – aber: Seitenverhältnis nicht optimal
Durch das fast quadratische Format wurde jeder 16:9 Film mit großen schwarzen Balken angezeigt. Instagram und TikTok Videos im Hochformat konnten den großen Screen auch nicht optimal nutzen. Diese Art Foldables waren nicht besonders gut für den Medienkonsum geeignet.
Apps nebeneinander
Es können mehrere Apps nebeneinander angezeigt werden, wie dies auch auf Tablets möglich ist. Und Daten können dann zwischen diesen per Drag and Drop einfach ausgetauscht werden. Das ist wirklich eines der Haupteinsatzszenarien, das in den letzten Jahren immer als das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zu normalen Smartphones hervorgehoben wurde.
Viele Anbieter dieser Foldables haben ihre Oberflächen so angepasst, dass viele Apps nebeneinander und übereinander angeordnet werden können. Android hat dies offiziell erst mit Version 12L im März 2022 ermöglicht. Und natürlich dauert es dann immer sehr lange, bis die Entwickler ihre Apps auf dieses neue OS und seine Möglichkeiten angepasst haben.
Laptop Modus oder Kino Modus
Auch der Laptop-Modus wird gerne als besonderes Feature der Foldables genannt. Man legt das Smartphone angewinkelt auf die flache Unterseite mit dem Aussenbildschirm. Auf dem nach oben angewinkelten Teil des Innenbildschirms wird der Bearbeitungsteil einer App (z.B. ein Texteingabebereich) angezeigt und auf dem unteren Teil wird eine Tastatur über die gesamte Breite eingeblendet. Dann kann man auf dieser Tastatur tippen und sieht die Eingabe im oberen Bereich. Aber ein natürliches Schreiberlebnis hat man nicht mit dieser Mini-Tastatur. Da nimmt man das Gerät lieber in die Hand als es auf dem Tisch liegend zu bedienen.







Ein ähnliches Szenario ist der Kino Modus. Oben wird der Film angezeigt und auf dem flachen unteren Screen sind die Bedienelemente für den Videoplayer.
Alles ganz hübsch, aber das Gerät auf den Aussenbildschirm zu legen kann zu Kratzern auf dieser Fläche führen. Und der halbe Screen ist dann auch nicht größer als der Aussenbildschirm. Ob man da noch von Kinoerlebnis sprechen kann? Kinoerlebnis entsteht nur auf einem größeren Screen.
Erweiterte Foto- und Videofeatures
Mit Bildschirmen und Kameras auf jeder Seite kann man sich leicht Szenarios vorstellen, wie man Videokonferenzen mit mehreren Personen auf beiden Seiten des Foldable führen kann und jeder auf einem eigenen Bildschirm der Unterhaltung folgen kann und angezeigt wird.

Das ist wirklich nur mit diesen Geräten möglich. Allerdings hatte Xiaomi mit seinem 17 Pro Max schon einen kleinen Screen auf der Rückseite, der diesen Effekt auch erlaubte. Man braucht also kein Foldable, sondern nur ein Gerät mit Displays auf beiden Seiten.
Selfies mit der Hauptkamera und direkter Ansicht auf dem Aussenscreen sind auch nur mit Foldables (oder den Xiaomi 17 Pro Max) möglich.
Foldables – liefern sie wirklich einen Mehrwert?
Das war es im wesentlichen schon mit den Möglichkeiten, was Anbieter der Foldables in den letzten sieben Jahren als Alleinstellungsmerkmale dieser Gerätekategorie herausgearbeitet haben.
Und das ist wirklich traurig, da dies für mich noch lange nicht als Mehrwert ausreichend ist. Warum sollte ich ein Fold in meiner Tasche tragen anstelle eines normalen iPhones? Häufig sind diese Geräte auch schwerer und ein paar Gramm mehr machen sehr viel aus. Das habe ich beim Übergang vom iPhone 13 Pro Max auf das iPhone 15 Pro Max festgestellt. Hier waren es 20 Gramm Unterschied, die ich deutlich wahrgenommen habe.
Besserer mobiler Medienkonsum
Ein wirklicher Mehrwert ist aber der große Screen im aufgeklappten Zustand. Gerade bei dem neuen Reisepass-Format, zu dem sich jetzt Huawei, Samsung, Xiaomi und Apple entschieden haben, kommen Medien wie Fotos, Filme und auch Instagram- und TikTok-Inhalte besser zur Geltung. Ein Tablet im iPad mini Faktor immer dabei haben zu können ist schon großartig.

Aber das iPad ist für mich nach meinen vielen Jahren Erfahrung leider kein Produktivitätsgerät. Es ist vornehmlich zum Medienkonsum geeignet. Die eingeschränkten Apps und Apples schlechtes Fenster- und App-Management auf dem Screen macht einen nicht so produktiv, wie es der echte Laptop-Formfaktor mit macOS erlaubt. Das MacBook ist NICHT durch ein iPad zu ersetzen.
Und damit sind auch das iPhone Duo und seine koreanischen und chinesischen Geschwister keine wirklichen Produktivitätswunder.
Zwei Apps nebeneinander
Als Autor meines Blogs habe ich sehr häufig den Einsatzfall, dass ich zum Browser wechsle, um zu recherchieren und einen Link zu kopieren, den ich dann in meinen neuen Beitrag reinkopiere. Hier kann der größere Bildschirm helfen, wenn man auf der einen Seite Jetpack (für Website-Administration) und auf der anderen Seite Safari als Browser offen hat.


Aber in so einem Fall ist durch den neuen Reisepass-Formfaktor die Höhe so sehr reduziert, dass die eingeblendete Tastatur viel vom sichtbaren Bereich der App auf beiden Hälften des Screens überdeckt.
Ich muss das wirklich mal im Apple Store ausprobieren und sehen, ob das wirklich eine wesentliche Einschränkung ist. Das geht aber erst ab Ende Oktober 2026.

Nachteile der Foldables
Der große innenliegende Screen ist Segen und Fluch zugleich. Als großes visuelles Interface zeigt es Inhalte größer und klarer. Mehr Informationen und App-Bedienelemente können angezeigt werden.
Falte an der Knickstelle
Aber der Screen hat keine Glasoberfläche und kann durch Druck von spitzen Gegenständen beschädigt werden. Das Auf- und Zuklappen des Foldables belastet das Bildschirmmaterial am Scharnier des Gerätes. Eine Falte erscheint und ist fühl- und sichtbar. Keiner der Produzenten dieser Foldables hat es bisher geschafft, diese Materialbelastung zu vermeiden oder wenigstens zu reduzieren.

Apple scheint mit einer speziellen Antireflektionsschicht eine Antwort darauf gefunden zu haben, die Falte nicht leicht sichtbar zu machen. Ob die Falte aber dauerhaft unsichtbar bleibt, muss die dauerhafte Nutzung zeigen.
Höheres Gewicht
Zwei Screens, ein großer innen und ein kleiner außen; sowie zwei Akkus, auf jeder Seite einer; der komplexe Faltmechanismus: all diese Komponenten erhöhen das Gewicht. Und Apples erster Wurf ist mit 254g sehr schwer für ein Foldable, obwohl ein Titanrahmen verbaut ist. Die Konkurrenz kann schon Geräte bauen, die bis zu 50g leichter sind. Allerdings habe ich mit meinem iPhone 17 Pro Max und seinem Gewicht von 233g auch kein Leichtgewicht in der Hosentasche und komme damit klar.
Höherer Akkuverbrauch
Der größte Verbraucher war in der Vergangenheit immer der Bildschirm. In Foldables sind aber gleich zwei eingebaut. Und der zweite Screen ist auch noch doppelt so groß und benötigt doppelt so viel Energie.
Das Powermanagement für diese Geräte dürfte sehr herausfordernd sein.
Teuer
Diese Gerätekategorie ist als Luxusvariante im Smartphone-Bereich positioniert. Wer ein Foldable haben will muss fast immer 2000€ und mehr hinlegen. Das iPhone Duo in maximalem Speicherausbau soll 3700€ kosten. RAMageddon lässt grüßen.

Auch aus technischer Sicht sind diese Geräte wegen der verbauten mechanischen Komponenten wie dem Scharnier viel komplizierter und deswegen teurer zu produzieren.
Fragiler in der Anwendung
Aktuelle Smartphones sind dank Gorillaglas und anderer Gehäusematerialien schon sehr praxistauglich in der täglichen Anwendung. Sie sind gegen Sturz, Wasser und Staub/Sand schon bestens abgesichert.
Foldables dagegen haben am Scharnier eine konzeptbedingte Sollbruchstelle. JerryRigEverything beweist bei jeder Samsung Galaxy Z Fold Generation, dass diese Geräte (fast) immer in der Nähe des Scharniers durchgebrochen werden können. In dem Moment bricht dann meistens auch das Flachbandkabel, was die beiden Hälften verbindet. In einem solchen Fall ist das Gerät definitiv Elektroschrott.
Der innenliegende Bildschirm ist geschützt gegen scharfe Gegenstände, so lange er zugeklappt ist. Aber wenn er geöffnet ist, dann kann schon ein Fingernagel die Bildschirmoberfläche beschädigen. Diese ist halt nur mit Kunststoff abgedeckt, damit es am Scharnier flexibel gebogen werden kann.
Es bleibt abzuwarten, was der Screen des iPhone Duo mit seiner Nanotexturbeschichtung und dem zusätzlichen Digitizer-Layer für den Apple Pencil aushält. Die Spitze eines Stifts kann die weiche Oberfläche dieser Screens eindrücken und beschädigen.
Foldables Evolution
Ich möchte nun herleiten, wie die Kategorie der Foldables entstanden ist und wie sie sich entwickelt hat. Es gab schon immer den Wunsch einen Computer in der Hosentasche mit sich herumtragen zu können. Beispiele genug gibt es in meiner Sammlung (Atari Portfolio, HP 200LX, Sony Vaio P11Z). Aber dies sind alles Geräte, die eher in die Kategorie sehr kompakter Laptops fallen.
Microsoft Courier
Ich bin erstmals auf dieses Foldable Konzept aufmerksam geworden, als ich das Microsoft Courier-Konzept gesehen habe. Ein Gerät mit zwei separaten Bildschirmen in einem Buchgehäuse wird in einem Konzeptvideo von Microsoft gezeigt. Faszinierend ist aber nicht die Hardware, sondern das User Interface. Es ist ganz anders als alles was man bisher von Betriebssystem-Oberflächen kannte. Und es gibt auch heute kein Gerät, was das Courier-Konzept so konsequent aufgegriffen hat, wie es sich die UI-Designer vorgestellt hatten.
Das Microsoft Surface Duo
Microsoft selbst brachte im Jahr 2020 ein Gerät auf den Markt, das die Hardware-Ideen aus dem Courier-Concept berücksichtigte. Aber es wurde nicht die sehr viel interessantere Software umgesetzt. Es war das Microsoft Surface Duo, was im Jahr 2021 von dem Nachfolger Surface Duo 2 ersetzt wurde.





Im Gegensatz zum durchgängigen Screen der Foldables hatte das Surface Duo zwei separate Touchscreens mit Glasoberfläche, die sich beim Aufklappen zu einem großen Screen verbanden. Sauber war aber der Übergang von einem Screen zum anderen nicht umgesetzt. Im Duo 2 versuchte Microsoft über einen abgerundeten Bildschirm an der Kante den visuellen Abstand zu verringern. Aber man sieht bei diesem Konzept immer einen kleinen schwarzen Streifen, was in der Darstellung massiv stört. Den fehlenden Aussenbildschirm realisierte Microsoft durch ein raffiniertes Scharnier, so dass beide Screens außen genutzt werden konnten. Leider hatte das Surface Duo 2 einen deutlichen Kamerabuckel, so dass man es nicht mehr vollständig zuklappen konnte.


Ich möchte hier auf Mr. Mobile und den (meiner Meinung nach) besten Review des Microsoft Duo 2 und seine Beschreibung von Nutzungsszenarien für zwei nebeneinander liegende Screens verweisen.
Der Laptop- oder Kinomodus war hier besser umzusetzen, da damit nicht ein unten liegender Screen verkratzt wurde. Na ja, die Aussenflächen waren aus Glas und konnten natürlich auch verkratzen.
Eine weitere Schwäche war die Software. Microsoft war nicht in der Lage ein Smartphone OS selbst zu schreiben und setzte auf Android und massive Customization, um das Windows Look and Feel bereitzustellen. Das funktionierte aber nicht wirklich gut. Und die Courier-Ideen wurden nicht umgesetzt.
Microsoft stellte diesen Versuch eines Foldables im Oktober 2024 ein. Es wird kein Surface Duo 3 geben.
Royole Flexpai
Schon im Jahr 2018 erbrachte eine kleine chinesische Firma namens Royole den Beweis, dass man einen biegbaren Bildschirm auf ein Gehäuse mit Scharnier setzen kann. Daraus entstand das Flexpai. Allerdings war der große Bildschirm auf der Außenseite und nicht auf der Innenseite, wie bei den heutigen Foldables. Im Jahr 2020 veröffentlichte Royole eine verbesserte zweite Version. Royole behauptete, dass man keine Falte oder sonstige Beeinträchtigungen am Screen bei den ersten 1,8 Millionen Faltversuchen sehen würde.

Samsung Galaxy Fold

Samsung ist einer der großen Anbieter von OLED-Screens und hatte auch schon viele Jahre mit biegbaren Bildschirmen experimentiert. Im Jahr 2019 kam mit dem Galaxy Fold das erste richtige Foldable auf den Markt. Der Produktname prägte die neue Kategorie der Foldables. Die Form war ein Smartphone mit einem Scharnier an der Längsseite. Beim Aufklappen zeigte sich dann ein fast quadratischer Screen.
Am Anfang hatte es nur einen kleinen Frontscreen. Diese und andere Schwächen merzte Samsung dann mit seinen Folgegenerationen unter dem Namen Galaxy Z Fold aus. Im Jahr 2026 sehen wir erstmals das Samsung Galaxy Z Fold 8 im Reisepass-Format. Der alte Formfaktor der Generation 8 trägt jetzt den Namen Galaxy Z Fold 8 Ultra.


Huawei Mate X, XT und Pura X Max
Der chinesische Anbieter Huawei brachte auch im Jahr 2019 sein Mate X heraus. Das Geheimnis dieses Gerätes war der große Screen außen wie beim Royole Flexpai. Viele Marktbeobachter fanden diese Technik interessanter als die Umsetzung von Samsung mit seinem Galaxy Fold.

Im Jahr 2020 brachte Huawei dann schon die zweite Version dieses Formfaktors auf den Markt. Ab dem Mate X2 im Jahr 2021 bis zum heutigen Mate X7 wurde derselbe Formfaktor wie der des Samsung Galaxy Z Fold 2 genutzt.
Und schließlich stellte Huawei im Jahr 2024 eine weitere Innovation mit dem Mate XT vor. Ein zweifach faltbares Smartphone ermöglicht die rechteckige Fläche eines Tablets. Konstruktiv höchst aufwändig, aber mit Sicherheit im Moment ein Alleinstellungsmerkmal (Samsung hat seit 2026 auch ein Trifold genanntes Foldable, dieser Art).


Huawei hat mit dem Huawei Pura X Max früh im Jahr 2026 noch vor Samsung, Xiaomi und Apple sein Foldable im Reisepass-Format vorgestellt. Es wird aber voraussichtlich nur in China vertrieben.

Motorola RAZR und Samsung Galaxy Z Flip
Diese beiden Geräte verfolgen das Konzept des Flip Phones. Quadratische Form im zugeklappten Zustand. Kleiner Bildschirm vorne. Im aufgeklappten Zustand entsteht ein Smartphone mit normal großen und länglichen Bildschirm. Sie sind kompakte Varianten von Smartphones, die keinen großen Screen wie die Foldables bieten. Aber auch diese Kategorie von Smartphone hat seine Fans.
Das Motorola RAZR wurde 2019 vorgestellt und ist eine Kopie des beliebten Feature Phones, das ein Millionenseller im Jahr 2003 war. Ein Jahr später, 2020, folgte das RAZR 5G. Jedes Jahr wurde diese Geräteklasse verbessert.
Samsung stellte das Z Flip im Jahr 2020 vor. Im Jahr 2026 ist schon die Version 8 herausgebracht worden.

Motorola RAZR Fold
Im März 2026 erst sprang Motorola auf den Zug der Foldables im Buchformat auf.
Google Pixel Fold
Google war mit dem Pixel Fold im Jahr 2023 ein Späteinsteiger wie Apple drei Jahre später. Und wie Apples iPhone Duo war dieses Fold auch fast in einem Reisepass-Formfaktor gestaltet. Es war allerdings ein wenig höher als die neue Generation von Foldables.
Interessanterweise verwarf Google diesen Formfaktor bei seinen nächsten Generationen. Stattdessen wurde derselbe Formfaktor wie beim Samsung Galaxy Z Fold 2 verwendet. Im Jahr 2026 vertreibt Google das Pixel 11 Fold.
Honor Magic V
Unter diesem Markennamen verkauft Honor, eine frühere Tochterfirma von Huawei, seine Foldables. Bekannt sind seit 2023 das V3, V5 und V6. Sie folgen alle ebenfalls der Formensprache des Samsung Galaxy Z Fold 2.



Oppo Find N
Auch Oppo war schon relativ früh am Markt. Das Oppo Find N2 war im Jahr 2022 bereits das zweite Foldable dieses Herstellers.


Oppo scheint mit dem Find N6 im Jahr 2026 die Herausforderung mit der Falte am besten gelöst zu haben.
Vivo X Fold
Vivo stellte sein erstes Foldable im April 2022 vor. Die aktuelle Version nennt sich X Fold 6.


Xiaomi MIX Fold und 18 Fold
Das erste MIX Fold veröffentlichte Xiaomi auch schon 2021. Bis 2024 kamen drei weitere Nachfolger des MIX Fold heraus. Im Jahr 2026 sind Xiaomi (18 Fold), Samsung (Galaxy Z Fold 8) und Apple (iPhone Duo) fast zeitgleich mit ihrem neuen Reisepass-Formfaktor auf den Markt gekommen. Zufall?
Zum Abschluss in diesem Kapitel über die Foldables Evolution möchte ich hier auf einen Vergleich der iPhone Duo Brüder Xiaomi 18 Fold, Galaxy Z Fold 8 und Huawei Pura X Max hinweisen. Viel Spaß.
Das iPhone Duo
Und nun zum Elephant in the room. Am 9.9.2026 stellt der neue Apple CEO John Ternus sein erstes „One More Thing“ vor. Und der ehemalige Hardwarechef von Apple kann stolz auf sich sein. Apple ist nun nach vielen evolutionären Fortentwicklungen in der Kategorie der Foldables mit auf den Zug gesprungen und hat sein iPhone Duo vorgestellt.
In typischer Apple Manier sieht man speziell die Verfeinerungen an der Software und weniger an der Hardware. Obwohl Apple behauptet, dass sie viel konstruktiven Aufwand in das Scharnier und die Glättung der zwangsläufig sichtbaren Falte gesteckt haben.
Das Gehäusematerial Titan soll Stabilität garantieren. Der innenliegende Screen soll mit einem Apple Pencil nutzbar sein. Dabei sollte Apple auch darauf geachtet haben, dass der Pencil den empfindlichen Kunststoffbildschirm nicht beschädigt. Eine Vapor Chamber soll die Abwärme des neuen A20 Pro Prozessors runterkühlen.
Formfaktor
Auf den Bildern aus der Apple Keynote und später in den Reviews der eingeladenen Pressevertreter erscheint das iPhone Duo als eher kompakt und gedrungen. Damit alle Reihen von Apps (6×4 App Raster) auf den Screen passen, muss Apple einige Tricks anwenden. Apple nimmt beispielsweise das Set der dauerhaft sichtbaren Apps im Dock auf die rechte Seite des breiteren Screens.

Das ist schon mal eine wichtige Designentscheidung, die aufgrund des breiten, aber des nicht so hohen Screens auf der Vorderseite erforderlich war. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf die Apps, die speziell für das iPhone Duo angepasst werden müssen, oder wahrscheinlich in einem Kompatibilitätsmodus laufen müssen. Ich bin sehr gespannt, ob die Entwickler diese Herausforderung von Apple annehmen, und ihre Apps schnell auf diese neue Bedienlogik anpassen werden.



Auch für den Benutzer ist die neue Bedienlogik mit dem rechts senkrecht am Screen angeordneten Dock und den Bedienelementen der Apps herausfordernd. Was passiert, wenn zwei Apps nebeneinander angeordnet sind? Von welcher App werden die Bedienelemente am rechten Rand dargestellt? Das ist erstmals seit dem ersten iPhone eine komplett neue Anordnung von Elementen des User Interfaces. Das will erst verstanden und beherrscht werden. Und wenn es am Anfang zwei unterschiedliche Bedienlogiken (Alt/Neu) zu berücksichtigen gilt, beneide ich die First Mover unter den iPhone Duo Besitzern nicht.
Die Software
Wo Xiaomi mit seinem 18 Fold keine Anpassungen seines Betriebssystems und der Apps vorgenommen hat, war Apple der Überzeugung, dass dieser Formfaktor anders benutzt werden muss. Die Software musste auf diese neue Bedienlogik angepasst werden. Buttons dürfen nur ein Icon enthalten, aber keinen langen Text, wenn diese am rechten Rand angepinnt werden sollen.
Damit ist es auch keine iPad OS Software, die auf dem großen Screen genutzt wird. Es sind speziell angepasste iOS Apps, die erforderlich sind. Erste Anpassungen z.B. von Netflix zeigen eine verspielte Umsetzung des Video-Players. Auf dem unteren Screen wird im Kino-Modus eine leichte Spiegelung des Films animiert. Ein nettes Detail.
Man bekommt also mit diesem neuen iPhone Duo auch ein komplett neues Bedienkonzept, was im Moment nur für Rechtshänder ausgelegt ist. Apple erklärt seinen Entwicklern in vielen Developer Videos, wie das neue Bedienkonzept im Apple iPhone Duo umgesetzt werden soll.

Aber Apple zeigt auch auf, dass sie immer noch in der Lage sind mit Software zu zaubern. Der Effekt auf den Bildschirmen beim Öffnen und Schließen des inneren Bildschirms ist so schön, dass er bereits wenige Tage nach der Apple Keynote mehrfach auf einigen Android Smartphones imitiert wurde.
Ein rudimentäres Set an Multitaskingfunktionen mit zwei Apps nebeneinander wird unterstützt. Apple war noch nie gut darin ein einfaches Fenstermanagement anzubieten. Da hat die Konkurrenz aufgrund des langjährigen Vorsprungs mehr zu bieten. Mal sehen, ob Apple es besser macht als mit dem merkwürdigen Stage Manager auf dem iPad und dem Mac.
Die Hardware
Auch bei der Hardware gibt es gute und schlechte Umsetzungen.
The Bad
Apple musste bei der Hardware einige Kompromisse eingehen.
- Es gibt kein Face ID mehr. Stattdessen wird Touch ID auf dem An-/Aus-Knopf genutzt.
- Die Selfie-Kamera vorne ist in die rechte obere Ecke versetzt, da der Platz oben in der Mitte von den App Icons benötigt wird. Die Darstellungen für Mobilfunk-Empfangsstärke, Batteriestatus und Wifi-Signalstärke ist in einem Kombiinstrument unter der Selfie-Kamera zusammengefasst worden. Sehr platzsparend.
- Die Selfie-Kamera auf dem Innenscreen ist die erste von Apple unter dem Display verbaute Kamera. Das Pixelraster lässt ein wenig Platz, durch das die Kamera seine Umgebung aufnehmen kann. Allerdings mit deutlicher schlechterer Bildqualität. Die so im Bildschirm versteckte und fast unsichtbare Kamera ist genau wie diejenige, die Samsung bis vor wenigen Jahren auch in seinen Galaxy Z Fold Geräten verbaut hatte.
- Die Kameras hinten sind leider nicht auf dem Niveau der iPhone Pro Kameras. Es ist auch kein Tele-Objektiv vorhanden.
And the Good
Aber sie haben auch einige Besonderheiten zu bieten:
- Das Scharnier lässt sich in unterschiedlichen Positionen fixieren. Beispielsweise für den Laptop- oder Kinomodus. Und auch für den Nightstand-Modus.
- Das von Apple verbaute Scharnier erlaubt eine IP68-Zertifizierung für Sand-/Staub- und Wasserdichtigkeit.
- Magneten lassen die beiden Seiten des iPhone Duo mit einem satten Klack zusammenklappen.
- Ein Set von Lautsprechern wird je nach Ausrichtung und genutzten Screens des iPhone Duo aktiviert.
- Die Falte ist auf den ersten Reviews nur schwer sichtbar, aber trotzdem da. Angeblich ist die schwimmende Lagerung der unterschiedlichen Lagen, aus denen das Display besteht, entscheidend für eine lange Haltbarkeit. Wie ein Buch würde sich das Display der Situation und dem Scharnier flexibel anpassen. Der neue Apple Hardware Chef erläutert, dass jedes iPhone Duo mit KI ganz individuell zusammengebaut wird. Und sogar feine Polymerlagen 3D-gedruckt werden, um kleinste Unebenheiten auszugleichen. Erst Langzeit-Tests werden aufzeigen, wie belastungsfähig das Display des iPhone Duos ist.
- Allgemein muss das iPhone Duo zeigen, wie belastungsfähig es in der täglichen Nutzung ist. JerryRigEverything wird sich auch die Hardware des iPhone Duo vornehmen und das Testgerät völlig zerstören. Ich bin gespannt, ob das Titan-Gehäuse einen Unterschied ausmacht.
- Der A20 Pro Prozessor in 2nm-Strukturgrösse ist der leistungsfähigste Mobil-Prozessor von Apple, der auch die neue Kamera unter dem Screen und die Displays steuert. In den Reviews gab es begeisterte Stimmen, die den Übergang von einem zum nächsten Screen ganz besonders loben.
- Wieder sorgt eine Vapor Chamber dafür den A20 Pro Prozessor runterzukühlen. In einem Titangehäuse ist das wahrscheinlich die einzige Möglichkeit der Wärmeableitung.
- Mit dem C2 ist die zweite Generation von Apples Kommunikationschip für die Mobilfunkverbindung und vieles mehr zuständig. Auch der N2 für Wifi und Bluetooth ist von Apple. Damit hat Apple die Abhängigkeit zu Qualcomm und ihren Kommunikationschips weiter reduziert.
- Kein SIM Slot mehr. Nur noch eSIM. Aber dafür gibt es mehr Platz für Akkus.
Ist Apple angekommen im Foldables Markt?
Eventuell ist Apples Entscheidung für diesen Formfaktor auch bei der Konkurrenz schon im Vorfeld angekommen? Einerseits, weil Samsung die Displays für Apple produziert und auch bei Huawei und Xiaomi, weil das iPhone Duo in China zusammengesetzt wird? Natürlich werden schon Monate vorher die Dimensionen an Hersteller von Zubehör, wie z.B. Cases, mitgeteilt. Vielleicht ist der gemeinsame Formfaktor auch einfach nur purer Zufall. Honni soit qui mal y pense 😉
Mit dem Jahrgang 2026 scheint eine neue Dynamik mit diesem neuen Formfaktor bei den Herstellern angekommen zu sein. Ich bin gespannt, ob weitere der Foldables Produzenten auf das Reisepass-Format umschwenken werden. Vielleicht ist das ja so ein iPhone Moment wie 2007: dort gibt es auch ein Bild das zeigt, wie die Smartphones vor dem iPhone aussahen, und wie nach dem iPhone 😀

Ist das noch ein iPhone?
Apple hat ein Gerätekonzept namens iPhone Duo vorgestellt, was erstmals das Benutzerinterface massiv verändert. Es ist meiner Meinung nach damit ein komplett neues Produkt, obwohl es natürlich auf dem Erbe und der Reife des iPhones aufsetzt.
Während das iPhone über die letzten Jahre nur minimal verbessert werden konnte, wird die zukünftige iPhone Duo Reihe viele Verbesserungen und Verfeinerungen bekommen.
Es beinhaltet ein neues Userinterface, das mir (die wahrscheinlich nicht gerechtfertigte) Hoffnung bereitet, dass einige der Courier-Konzepte im Softwarebereich doch mal angegangen und umgesetzt werden?
Preisentwicklung
Nicht nur Apple, sondern alle Foldables Hersteller vermarkten ihre Geräte als hochwertige Produkte, die dem Smartphone überlegen sind. Ob es die Nutzer wirklich produktiver macht, muss sich noch zeigen. Die bisherigen Use Cases basieren halt immer auf der eingeschränkten Smartphone Software. Die volle Desktop-Power bekommen nicht mal die Tablets in der Apple- und Android-Welt. Deshalb benötigt man für volle Produktivität ein vollständiges Desktop OS mit der Software, die darauf läuft. Das kann im Moment nur Microsoft mit seinen Surface Tablets bieten.
Wenn man diese Software-Einschränkungen betrachtet, dann ist es schon eine Zumutung, dass für die Foldables Preise wie für Luxus-Laptops aufgerufen werden.
Ich bin aber davon überzeugt, dass die Produzenten der Android Foldables alles tun werden, um mit günstigeren Gerätepreisen einen größeren Consumer-Kundenkreis zu erschließen.
Ob Apple diesen Weg gehen wird, bezweifle ich. Sie haben ein neues Produkt erschaffen, das sie im gehobenen Consumersegment dauerhaft platzieren werden.
Zukunftsvisionen?
Ob jemals iPadOS und iOS wieder zusammengeführt werden? Es würde Sinn machen, da es bereits so viele Apps für iPads gibt, die den größeren Screen eindrucksvoll ausnutzen.
Dies ist definitiv ein Vorteil gegenüber der Android-Konkurrenz. Dort hat sich kein App Ökosystem für Tablets entwickelt. Sehr oft sind Apps auf dem Tablet nur hochskalierte Smartphone-Apps.
Es kann sogar sein, dass Apple ein iDuoOS konzipiert, weil das Benutzerinterface auf beiden Plattformen so unterschiedlich gestaltet werden muss. Fakt ist aber: für ein produktives Gerät muss die Software produktiver werden. iOS Software ist viel zu eingeschränkt. Selbst iPadOS Software liefert nicht die volle Funktionalität der macOS Software.
Fazit – Foldables Revolution?
Apple ist angekommen im Foldables Markt und hat ein völlig neues Produkt geschaffen. Mit allen Vor- und Nachteilen.
Da nun auch die Foldables Schwergewichte Samsung, Huawei und auch Xiaomi zufällig mit dem selben Formfaktor rauskommen, deutet alles darauf hin, dass Apple ein großer Wurf gelungen ist. Ja, man kann mit diesem Markteintritt von einer Foldables Revolution sprechen.
In der Apple Welt kann es viele Kunden geben, die sich von Foldables angesprochen fühlen und das nötige Kleingeld für dieses erste Gerät einer neuen Generation von Apple-Produkten haben. Viele warten schon seit langen auf dieses Produkt (Why I’m excited for the Apple Duo?). Der wirkliche Mehrwert entsteht aber nur durch ein vernünftiges User Interface und leistungsfähige, nicht eingeschränkte Software.
Da diese Art Software leider nach 16 Jahren iPad immer noch nicht vorhanden ist, zweifele ich an dem produktiven Nutzen des iPhone Duo und allgemein der Foldables. Sie sind gegenüber den normalen Smartphones leicht verbesserte Smartphones mit möglicherweise verbessertem User Interface. Einige Aufgaben werden mit zwei Apps nebeneinander einfacher zu machen sein. Aber ohne die volle professionelle Softwareunterstützung sind sie nur nette Gadgets und nicht wesentlich mächtiger als Smartphones.


Toller Artikel!
Vielen Dank, Carsten. Wirst Du ein iPhone Duo kaufen?