Classic Computing 2026 in Celle
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Besuch der 23. Classic Computing 2026 in Celle

Lesedauer: 14 MinutenWieder zog es mich auf die Classic Computing 2026. Dieses Jahr ging es nach Celle in Niedersachsen. Meine Eindrücke dieses Wochenendes

Heute, am 10.10.2026, begann für mich ein besonderes Wochenende. Meine Frau begleitete mich auf die Classic Computing 2026 in Celle. Sie ist zwar eine Kennerin meines Digitalen Lebens, aber ich hätte nie erwartet, dass sie mit mir auf eine solche Veranstaltung fahren wollte. Ich habe mich sehr gefreut und bin sehr gespannt, wie sie dieses Wochenende wahrnehmen wird. Vor drei Jahren war ich das letzte Mal bei einer Classic Computing-Ausstellung. Damals war ich noch nicht verheiratet. Gegen 10:45 erreichten wir schließlich das Ausstellungsgelände auf der CD Kaserne in Celle.

Angekommen auf der CC2026
Angekommen auf der CC2026

Exkurs CC2023: Ich nutze diese Veranstaltungen immer, um meinen persönlichen Leidenschaften zu folgen. Als ich 2023 in Dietzenbach die Halle betrat, wollte ich Gespräche mit anderen Kennern des Sinclair QL führen. Es gab damals nur einen Aussteller, der einen lauffähigen Computer ausgestellt hatte. Aber das hat mich damals genug motiviert einen spannenden Artikel über den Sinclair QL und seine aussergewöhnliche GUI zu schreiben.

Der Ort – Celle und die Cambridge Dragoner Kaserne

Besuch der Classic Computing 2026 in Celle
Besuch der Classic Computing 2026 in Celle

Dieses Jahr findet die Classic Computing 2026 in Celle statt. Einem Ort mit wunderbar erhaltenem Stadtkern und seinen spektakulären Fachwerk-Häuserzeilen. Diese Perspektive war auch der Grund, weswegen ich mich spontan dafür entschied dort hinzufahren und das CC-Wochenende mit ein wenig Sightseeing in einer schönen Stadt zu verbinden.

Die Veranstaltung selbst findet auf dem Gelände der alten Cambridge Dragoner Kaserne statt. die Kurzbezeichnung lautet CD Kaserne. Der Ort ist seit 1996 ein Jugend- und Kulturzentrum. Die Classic Computing 2026 Ausstellung ist in der Halle 10 aufgebaut. Die Aussteller verteilen sich mit ihren Exponaten auf über 100 Tischen. Aber unser Weg führt uns zuerst in das Kino 8 1/2, wo das Vereinsmitglied Faltenwespe seinen Vortrag hält.

Vorträge

Dieses Jahr wollte ich unbedingt den Vortrag von Faltenwespe (Olaf Zimmermann) erleben, der wenige Tage vor der Classic Computing 2026 noch eine Umfrage im Forum des VzEkC startete. Er wollte wissen, wie wir alte Computer sammeln. Auch ich habe mich bei der Beantwortung seiner Fragen beteiligt.

Sein Vortrag am Samstag um 10:30 ist allerdings so früh, dass meine Frau und ich schon um 7:00 in Düsseldorf losfahren mussten, um pünktlich zum Vortrag in Celle dabei sein zu können. Der Titel lautete Alte Computer – Vom wunderbaren Wahnsinn des Sammelns.

Alte Computer – Vom wunderbaren Wahnsinn des Sammelns

Wir haben es leider nicht pünktlich zum Vortrag von Faltenwespe geschafft. Aber wir haben doch noch den Großteil seiner Ausführungen hören können. Wie viele der Anwesenden sammelt auch er Computer und dokumentiert seine Sammlung und seine Projekte auf seiner Webseite. Auch zeigte er die Statistik der Antworten auf seine Fragestellungen aus dem Vereinsforum. Nach dem Vortrag gab es noch die Möglichkeit zur Diskussion, die intensiv genutzt wurde. Es war ein schöner Start in die Classic Computing 2026 für uns.

Aufstieg und Fall eines Computerpioniers

Petro mit seiner Amiga Lederjacke
Petro mit seiner Amiga Lederjacke

Nach einem kurzen ersten Blick in das große Gebäude 10 (und einer Toilettenpause) gingen wir dann wieder zurück in das Kino 8 1/2. Dort stand mittlerweile das Commodore Urgestein Petro Taras Tyschtschenko bereit, um über den Aufstieg und Fall eines Computerpioniers zu berichten.

Meine Hoffnung war allerdings, dass er mehr über Jack Tramiel berichten würde. Stattdessen ging es allgemein um die Firma Commodore und die Erinnerung von Petro an seine unterschiedlichen Rollen bei Commodore und den Nachfolgefirmen nach Commodores Konkurs am 29. April 1994. Aber es ist trotzdem immer interessant, seine War Stories aus diesen spannenden Zeiten von ihm direkt zu hören. Immerhin ist er auch schon 83 Jahre alt.

Am meisten lachten wir bei der Erwähnung seiner Kündigung durch Amiga Inc im Jahr 2001. Es war die erste wirkliche Kündigung, die er erhielt. Vorher war er mehrfach in der Rolle, dass er die Überreste von Commodore und Amiga verwalten sollte. Sein letzter Arbeitstag war der 1. April 2001, wo er auf der Amiga2001 vom Amiga Inc. Vorstand Bill McEwen eine Lederjacke überreicht bekam. Diese trug er auch bei seinem Vortrag.

Eine weitere Anekdote war, dass er 12 Jahre, nachdem er zehntausend Amiga 1200 nach Indien für 35$ verkauft hat, die Möglichkeit erhielt Restbestände von knapp tausend dieser Computer wieder zurückzukaufen (für 110€ + Steuern).

Wichtig festzuhalten ist, dass Petro und weitere Mitstreiter ein Commodore Werksmuseum 2.0 aufbauen wollen und eine Location dafür suchen.

Erste Eindrücke von Celle

Celle hat eine wunderschöne Altstadt
Celle hat eine wunderschöne Altstadt

Nach den beiden Vorträgen ging es für meine Frau und mich erstmal zum Mittagessen in die Stadt. Die klassische Fachwerk-Altstadt ist bemerkenswert. Diese gilt mit fast 500 denkmalgeschützten Fachwerkhäusern aus dem 16. bis 19. Jahrhundert als eines der größten und geschlossensten Fachwerkensembles der Welt.

Celle – Impressionen einer Fachwerkinnenstadt

Während meine Frau in der Altstadt blieb und das Touristenprogramm 😉 machte, ging es für mich zurück auf die CC 2026 in der CD Kaserne.

Erste Eindrücke von der Classic Computing 2026

Eine Sammlung von Wang Rechenmaschinen

Mein erster Weg führte mich zu Antikythera (Michael) und seinen Exponaten von Wang Rechenmaschinen. Ich wollte mit ihm sprechen, da er mir vor wenigen Wochen im Vereinsforum vorschlug, die Errungenschaften von Wang in meinem IT-Geschichtskalender zu berücksichtigen. Aus den alten Computermagazinen konnte ich mich noch gut an Werbung und Artikel über Wang Computer erinnern. Aber der Siegeszug des IBM PC drängte Wang Anfang der 80er immer mehr aus dem Markt. Live und in Farbe hatte ich diese Computer noch nie gesehen.

Wang Glory
Wang Glory

Diese Chance bot mir Antikythera nun und erklärte mir geduldig seine Geschichte, wie er zu diesen Geräten gekommen ist. Ich muss zugeben, dass sich meine erste Zurückhaltung immer mehr in Begeisterung wandelte, obwohl diese Computer und Rechenmaschinen schon lange auf dem Markt waren, bevor ich mit Homecomputern begann. Normalerweise interessiert mich kein Gerät, was vor dem Sinclair ZX81, meinem ersten Homecomputer, verkauft wurde.

Fasziniert war ich, dass sein Lehrer einen Wang 2220 am 11.11.1976 mit Drucker und Kassettenlaufwerk für 43300 DM für seine Schulen gekauft hat. Gesponsert wurde dieser Einkauf von einer Volksbank und mehreren umliegenden Schulen und wurde in der Folge für BASIC-Programmierung verwendet. Ein solches Gerät stand dann bei ihm links auf seinem Ausstellungstisch.

Fädel ROM einer Wang Rechenmaschine
Fädel ROM einer Wang Rechenmaschine

Er zeigte mir ein Fädel ROM, was buchstäblich fest verdrahtet die ROM Software eines seiner Wang Rechenmaschinen enthielt. Auf diesem Tischrechner zeigte er mir wie Formeln über die unterschiedlichen Tasten eingegeben und berechnet werden.

BASIC-Programmierung mit Programmkarten
BASIC-Programmierung mit Programmkarten

BASIC-Programmierung auf einem Wang Computer anders gemacht

Für mich am faszinierendsten war aber ein Szenario, wie er mehrere Programmkarten, die ein handkodiertes BASIC-Programm enthielten, einlas und dieses Programm dann startete. Auch wenn diese Geräte schon 50 Jahre alt sind, so hat mich dieses Beispiel der analogen Speicherung und Übergabe von Programmcode beeindruckt.

Wang Computer – BASIC Programmierung anders gemacht

Zum Schluss empfahl mir Antikythera noch den YouTube-Kanal des Computermuseum der Stuttgarter Informatik.

Didi55 und die schöne Atari-Welt

Ein paar Tische weiter fielen mir dann drei Bildschirme auf, die mir sehr bekannte Inhalte zeigten. Es handelte sich um einen Atari Mega STE und ein Atari TT 030, die diese drei Bildschirme bespielten. Ich kam mit Didi55 (Dietmar) ins Gespräch und wir tauschten uns über unsere gemeinsame Atari-Vergangenheit aus. Er fing bereits 1985/1986 mit einem Atari 520ST+ an. Faszinierend war, dass in der VME-Schnittstelle seines Atari TT eine Transputer-Karte (ATW800/2) steckte, die Transputer-Technologie und verbesserte Grafik ermöglichte.

Ich erinnerte mich, dass das für Ataris Transputer Workstation ATW800 verwendete Helios Betriebssystem von der englischen Softwarefirma Perihelion entwickelt wurde. Einer der Mitgründer dieser Firma war Dr. Tim King, der auch mit anderen Kollegen von MetaComCo für das AmigaDOS verantwortlich zeichnete. So klein ist die Welt.

Didi55 - Atari ST Erinnerungen
Didi55 – Atari ST Erinnerungen

Ich erzählte ihm von meiner eigenen Atari Mega ST-Vergangenheit mit Mag!X-Multitasking und meinem Lieblingsdesktop Gemini. Er zeigte mir seine umfangreiche Sammlung von alternativen Desktops (z.B. Ease, MagXDesk, auch Gemini) und Anwendungssoftware (z.B. Calamus SL 2000). Zum Schluss ermutigte er mich noch, auf die externe Festplatte meines Atari Mega ST den richtigen Treiber zu installieren, damit diese auch ohne Boot-Diskette starten kann. Meine große Sorge war immer, dass ich meinen Atari Mega ST nicht mehr von Festplatte starten kann, wenn die Boot-Diskette nicht mehr funktioniert. Das ist doch mal ein Grund meinen alten Mega ST nochmal zu aktivieren. Bei Fragestellungen bekäme ich Hilfe im Atari Home Forum.

Abschluss des Tages in der Celler Altstadt

Diese beiden Begegnungen und Gespräche mit Antikythera und Didi55 waren aber so intensiv, dass es schon 18 Uhr war und ich die Halle verließ. Es erwartete mich dann das Abendessen und noch ein paar Eindrücke im Fachwerkensemble des verregneten Celle.

Zum Abendessen probierten wir eine Celler Spezialität: eine Celler Rohe Roulade. Dünn geschnittenes Roastbeef mit eingerollten Zwiebeln, Gurken, Senf, Salz und Pfeffer. Sehr lecker, aber eine gekochte Roulade ist mir doch lieber 😉 Und eine weitere Celler Spezialität sollte man probieren. Ein Kräuterlikör der scharfen Art – Alter Provisor.

Der zweite Tag

Am frühen Morgen ging es erstmal zur Heide Kaserne, ein riesiges Gebäude, was mittlerweile das Neue Rathaus der Stadt Celle beheimatet.

Die Heide-Kaserne - heute das Neue Rathaus von Celle
Die Heide Kaserne – heute das Neue Rathaus von Celle

Meine Frau setzte ich dann am Celler Schloss ab und mich zog es wieder in die CD Kaserne. Ich trug mich in das Mac-Gästebuch der Veranstaltung ein und schaute mich um.

Eintrag ins Gästebuch
Eintrag ins Gästebuch

Das Gästebuch wurde auf einem Apple Macintosh mit einer FileMaker-Datenbank betrieben. Umlaute konnte das Programm allerdings nicht verarbeiten.

Wenige Minuten später fiel mir ein Minitel-Terminal auf. Ich selbst war als Jugendlicher in einem Schüleraustausch häufiger in Frankreich und kannte schon das Minitel der Gastfamilie. Gegenüber dem deutschen BTX wirkte diese Plattform viel dynamischer und fortgeschritten. Es stellte sich heraus, dass dies der Stand von Olaf Zimmermann war, dem Referenten des ersten Vortrags am Samstag.

Noch ein Vortrag – Retrocomputing mit KI

Nach einem kurzen Gespräch auch über sein Wetterfax-Projekt machte er mich auf einen Vortrag von Hans Hübner mit dem Titel Retrocomputing mit KI aufmerksam. Dies hörte sich sehr interessant an und hat mich wirklich begeistert. Hans erzählte über seine KI-unterstützten Projekte im Retrocomputing-Umfeld, die er in einem Jahr durchgeführt hatte. Mit monatlicher Flatrate von 200$ an Anthropic nutzt er Claude Code, um interessante Retrocomputing-Projekte innerhalb kürzester Zeit umzusetzen.

Weitere Eindrücke aus der Halle 10

Nach dem Vortrag hatte ich endlich mal Zeit mir einen genaueren Ausblick über die Aussteller und ihre Exponate zu verschaffen. Ein interessantes Gespräch hatte ich mit André Fachat, der mir seinen Commodore PET Nachbau zeigte und erläuterte, wie er diese Plattform über die Jahre mit MMU und weiteren Funktionalitäten (siehe Ulti-PET) ausgestattet hat.

André und seine Super PETs
André und seine Super PETs

An den Tischen von Gerd Alsenz konnte ich die seltene Zusammenstellung von Tandy TRS 80 Color Computer (Coco) 1, 2 und 3 erleben. Leider konnte er nicht OS9 auf dem CoCo 3 präsentieren, hat sich dies aber für eine zukünftige Ausstellung vorgenommen.

Die CoCos 1, 2 und 3 zusammen ausgestellt
Die CoCos 1, 2 und 3 zusammen ausgestellt

Rudolf Heidemann vom Computermuseum Visselhövede zeigte einen Apple Macintosh Quadra 950 mit vier eingebauten Grafikkarten und Ausgabe auf vier Bildschirmen. Dies war im Jahr 1992 der leistungsfähigste Mac mit Motorola Prozessor. Wer professionell arbeiten wollte, fühlte sich mit diesem sehr teuren Computer (ab 7200$ damals, inflationsbereinigt heute bei mehr als 16000$) bestens bedient. Auch wenn es damals kein Betriebssystem mit Speicherschutz und preemptivem Multitasking von Apple gab.

Einer der stärksten Motorola Macintoshs mit vier Grafikkarten
Einer der stärksten Motorola Macintoshs mit vier Grafikkarten

Last but not least

Und es gab in dieser Halle so viele interessante Tische mit Sammlungen und Exponaten, fast alle lauffähig und wurden mit Anwendungen gezeigt. Darunter gab es für mich ein Duo von NeXT Computern und ihren Mega Pixel Displays, das vom Oldenburger Computermuseum mitgebracht wurde.

An einem anderen Tisch gab es den Dragon 32 und Dragon 64 zu sehen, über die ich auch schon einen Beitrag geschrieben habe. Ich finde die aufgeklebten Papierlabel immer wieder faszinierend.

Interessant fand ich einen Enterprise 128 mit SymbOS. Dieser Rechner ist einfach selten und ich möchte mal über diesen Computer und seine Geschichte schreiben. Eine grafische Benutzeroberfläche wie SymbOS auf einem 8bit-Rechner zu sehen, ist bemerkenswert.

Sammlungen von Casio und Sharp-Taschenrechner, Commodore-Taschenrechner und -Schreibmaschinen, sowie fast vollständige Palm und Handspring Exponate rundeten das Bild für mich ab.

Den Abschluss dieses inspirierenden Wochenendes in Celle mit den Teilnehmern der Classic Computing 2026 lieferte dann der Vortrag von Georg Basse mit dem Thema Der Zankapfel Apple IIGS. Ich äußerte meine Bedenken, warum ein gutes Soundsystem auf einem Apple II alleine die Anwälte von Apple Corp dazu bringen konnten, Apple zu verklagen. Georg erläuterte die Hintergründe dieses Vorgangs und zeigte auf, warum Apple später mit iTunes und heute mit dem Apple Music Store keine Klagen mehr von den Nachlassverwaltern der Beatles zu erwarten hat.

Abschließender Vortrag von Georg Basse (Yalsi)
Abschließender Vortrag von Georg Basse (Yalsi)
Kulinarischer Abschluss in Celle nach einem schönen Wochenende
Kulinarischer Abschluss in Celle nach einem schönen Wochenende

Abschied von Celle und rein ins Lichterfest in Essen

Nach einem langen Ausstellungstag mit vielen Highlights gab es noch ein spätes Mittagessen im Thaers Wirtshaus in Celle.

Meine Frau hatte auf dem Heimweg noch einen Stopp vorgesehen. Das konnte ich ihr nicht abschlagen, da sie mir den Wunsch erfüllt hatte mit mir nach Celle zur Classic Computing 2026 zu fahren.

Die Stadt Essen hatte vom 2. bis 11. Oktober das Essen Light Festival 2026 organisiert. Es war also an diesem Sonntag die letzte Gelegenheit in dieses Festival einzusteigen. Wir parkten direkt in der Stadtmitte unter dem Kennedyplatz und dort war auch tatsächlich die beeindruckendste Licht- und Soundinstallation. Hier noch ein paar Impressionen vom Essen Light Festival 2026.

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