Der neunte Beitrag in meiner Reihe von Beiträgen zur Neugestaltung der Ausstellung in meinem Computermuseum. Heute und an weiteren 24 Tagen stelle ich die Zusammenstellung meiner Ausstellungsstücke vor. Die heute gezeigten Computer haben eine besondere Bedeutung für mich. Sie sind meine absoluten Computer Lieblinge. Einer davon ist der Computer, den ich Anfang 1983 unbedingt haben wollte. Einer davon ist ein Fernsehstar und wurde von einer der innovativsten Firmen in Cambridge erdacht. Einer ist der Gründungsvater des MSX Standards. Und einer ist der Computer, den ich über 10 Jahre allen Macs und PC vorgezogen habe.

Texas Instruments TI-99/4A
Als ich Anfang 1983 eine Checkliste mit Features für Homecomputer abhakte, kam als Ergebnis und Sieger des Vergleichs der Texas Instruments TI-99/4A heraus. Dieser Computer war laut Checkliste der beste Fit für meine Anforderungen. Zu diesem Zeitpunkt war Texas Instruments (TI) in einem ruinösen Preiskampf mit Commodore, was schließlich am Black Friday, dem 28.10.1983, zum Rückzug von TI aus dem Homecomputermarkt führte. Leider sind die Preise für den TI-99/4A nicht in Deutschland so gefallen, wie es in den USA der Fall war. Somit konnte ich mir diesen wunderschönen Aluminium-verkleideten Computer nicht leisten. So wurde schließlich der Sinclair ZX81 mein erster Homecomputer.
Aber warum ist TI mit dem TI-99/4A so spektakulär gescheitert? Genau diese Frage habe ich mir auch gestellt und in meinem Beitrag zu Texas Instruments und seine TI-99 Computer die Antworten gesucht und gefunden. Eines der Hauptargumente für den Computer, nämlich der 16 bit Prozessor, war auch eine der größten technischen Herausforderungen für die Hard- und Software des Computers. Dann hat Texas Instruments den Softwaremarkt für den TI-99/4A komplett kontrolliert und damit wirksam verhindert, dass mehr Programmierer Software für diesen Computer entwickeln konnten.
Am Ende kamen noch viele Kunden zu diesem Computer, weil er für wenig Geld abverkauft wurde. Diese haben sich in Clubs zusammengetan und ihre Erfahrungen untereinander ausgetauscht. Unter anderem auch über Bulletin Boards. Und das knapp 10 Jahre bevor ich mit meinem Atari Mega ST und einem Modem das MausNet nutzte, um Erfahrungen mit anderen Atari Usern und Entwicklern auszutauschen.
Acorn BBC Microcomputer
Der Acorn BBC Microcomputer wurde explizit für ein BBC-Programm namens The Computer Literacy Project entworfen, und er war tatsächlich der Star der Show The Computer Program. Die Geschichte hinter dem Kampf um den BBC-Auftrag wurde in der BBC 4-Sendung Micro Men gezeigt. Während der BBC Micro ein professioneller Computer mit hohem Preis war, war der Konkurrent von Sinclair, der ZX Spectrum, ein komplett anderes Produkt. Vor allem billig. Bezüglich der Verkaufszahlen kam Acorn mit seinem BBC Micro nie an den ZX Spectrum heran. Deshalb versuchten sie mit dem Acorn Electron eine verbilligte Version des BBC Micro herauszubringen. Aber dieser Rechner kam zu spät.
Der BBC Micro ist ein faszinierendes Produkt einer unglaublich innovativen Firma. Seine BASIC-Programmiersprache gilt auch heute noch als einer der besten Dialekte. Neben dem MOS6502-Prozessor konnte noch ein weiterer Prozessor eingesetzt werden. Dies hat Sophie Wilson genutzt, um den ersten RISC-Prozessor von Acorn, die Acorn Risc Machine (ARM), auszutesten. Dass daraus später die energieeffizienten ARM-Prozessoren der heutigen Smartphones und Macs entstehen würden, hatte damals noch keiner für möglich gehalten.
Auf meinem Besuch im centre for computing history in Cambridge konnte ich erkennen, wie bedeutend der BBC Micro für die technische Bildung der heutigen britischen IT-Profis war. Er hat genauso wie der Sinclair ZX Spectrum die britische Computer- und Softwareindustrie geprägt.
Spectravideo SVI 328 MkII
Während in den 80er Jahren ein Anbieter nach dem anderen auf den Markt kam und untereinander inkompatible Homecomputer verkaufte, sah der Präsident der japanischen ASCII Corporation, Kazuhiko Nishi, das Potential für eine gemeinsame Computerplattform. Basierend auf Microsofts BASIC sollte ein Standard entwickelt werden, der Homecomputer untereinander kompatibel machte. Dieser Standard wurde als „Machines with Software eXchangeability“ bezeichnet und mit dem Kürzel MSX abgekürzt. Der Urvater für die Hardware war der Spectravideo SVI 328, der als Vorlage galt. Dieser amerikanische Computer war allerdings nur das Vorbild, aber noch nicht MSX-kompatibel. Der erste MSX-kompatible Computer von Spectravideo war dann schließlich der SVI 728.
Diesem MSX Standard folgten neben Philips vor allem japanische und koreanische Computerhersteller. Die für diese Computer geschriebene Software sollte auf allen MSX-Computern laufen können. Ich selbst habe die MSX-Computer damals nicht wirklich wahr genommen. Aber noch heute hat diese Plattform viele Fans, wie ich bei der Classic Computing 2023 in Dietzenbach erleben durfte.
Als ich das Homecomputermuseum in Helmond, NL, besuchte, erhielt ich die Gelegenheit den Spectravideo 328 Mk II für mein Computermuseum zu kaufen. Vielen Dank an den Gründer des Museums, Bart van den Akker, der mir noch ein besonderes Geschenk zum Abschied mitgab.
Atari Mega ST
Jetzt aber komme ich zu meinem Lieblings-Lieblingscomputer. Der Atari Mega ST mit seinem Monitor SM124 stand von 1988 bis 2000 auf meinem Schreibtisch. In dieser Zeit haben alle Rechnerarchitekturen diesen 16 Bit Computer auf Motorola 68000 Basis überholt. Aber die besondere Kombination von Hard- und Software hat diesen Computer extrem leistungsfähig für mich gemacht. Ich habe ihn von zwei auf 4 MB RAM aufgerüstet und hatte eine externe 60 MB SCSI-Festplatte als Datenspeicher. Mit der besten Software, die der kleine aber feine Atari-Markt bereithielt, habe ich meinen Mega ST ausgestattet. Selbst für meine Diplomarbeit konnte ich mit Pascal XSC, einer Programmiersprache für intervallarithmetische Anwendungen, Programme auf diesem Computer schreiben. Diese Diplomarbeit habe ich mit TeX/LaTeX auf dem Mega ST gesetzt.
In einer der letzten LOAD, der Clubzeitschrift des Vereins zum Erhalt klassischer Computer (VzEkC e.V.), gab es ein Interview zum Atari ST, das ich in einem meiner Blog-Beiträge auch persönlich für mich beantwortet habe. Wer also wissen möchte, wie ich an diesen Computer kam und was er mir bedeutete, sollte diesen Beitrag mit meinen Antworten lesen.
Der Computer hat eine faszinierend kurze Entwicklungszeit von knapp fünf Monaten hinter sich. Es wurde vom ehemaligen Commodore-Präsidenten Jack Tramiel, seinen Söhnen, Shiraz Shivji, und drei anderen Commodore-Ingenieuren erdacht und gebaut. Digital Research lieferte mit GEM die grafische Benutzeroberfläche. Ähnlich wie der Mac war der Atari ST nur eingeschränkt multitasking-fähig. Erst mit Mag!X von Application Services Heidelberg (ASH) kam richtiges präemptives Multitasking auf. Aber dann explodierte das Angebot an alternativen Desktops, die von den neuen Fähigkeiten Gebrauch machten.
Im Jahr 2010 holte ich meinen Atari Mega ST mit Monitor und Festplatte wieder aus dem Keller und startete ihn. Und er lief ohne Probleme hoch. Bei dieser Session habe ich mehrere Stunden Videomaterial von der Hardware, dem Betriebssystem, der Boot Up Prozedur und auch der Software gemacht. Auf YouTube und in meinen Beiträgen kann man meinen maximal konfigurierten und ausgestatteten Atari bewundern. Es lohnt sich.
Fazit
Diese Computer haben mein Digitales Leben ganz besonders beeinflusst. Sei es, weil sie mich sehr lang begleitet haben, maximal innovativ waren und die heutige Zukunft vorbereiteten, einen Standard versuchten zu etablieren oder besonders elegant aussahen. Sie sind vor allem ein Beispiel für die Vielfalt der Computer in den 80er Jahren. Sie sind meine absoluten Computer Lieblinge. Und deshalb haben sie auch einen besonderen Platz in meinem Computermuseum verdient.
Mich würde interessieren, welche Computer in eurem Digitalen Leben sehr wichtig waren. Was haben sie euch bedeutet? Was macht ihr heute beruflich? Denkt ihr auch noch manchmal an diese Zeiten zurück? Schreibt es mir in den Kommentaren.
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Lieber Andreas,
herzlichen Dank für diesen nostalgischen Ausflug in die Welt der Computerklassiker! Dein Beitrag hat uns in der Agentur zu einer spannenden Zeitreise inspiriert und wir haben uns lebhaft ausgetauscht, wie diese technischen Meilensteine auch unsere digitale Laufbahn geprägt haben.
Besonders faszinierend finden wir die Geschichte deines Atari Mega ST. Es ist beeindruckend, wie dieser Computer über ein Jahrzehnt hinweg ein treuer Begleiter für dich war, und das trotz des rasanten technologischen Fortschritts in dieser Ära. Deine Leidenschaft und Hingabe für diese Maschine ist wirklich ansteckend. Es erinnert uns daran, wie wichtig es ist, die Werkzeuge, mit denen wir arbeiten, wertzuschätzen – sie sind nicht nur Geräte, sondern Teil unserer kreativen und professionellen Reise.
Der Texas Instruments TI-99/4A und der Acorn BBC Microcomputer sind weitere eindrucksvolle Beispiele für Technologie, die ihrer Zeit voraus war. Es ist faszinierend, wie diese frühen Computer die Grundlagen für die heutige digitale Welt legten. Ihre Geschichten bieten eine wertvolle Perspektive auf die Anfänge des Computerzeitalters und wie sich die Industrie seitdem entwickelt hat.
In unserer Agentur gibt es ähnliche Geschichten über erste Begegnungen mit Computern und wie sie unsere Karrieren und Leidenschaften beeinflusst haben. Viele von uns erinnern sich noch an ihren ersten Kontakt mit einem Commodore 64 oder einem Amiga 500. Diese Geräte waren nicht nur Werkzeuge, sondern auch Fenster in eine neue Welt voller Möglichkeiten.
Deine Sammlung im Computermuseum klingt absolut faszinierend. Es ist wichtig, dass solche historischen Stücke bewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, um die Entwicklung der Computertechnologie und ihre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft zu verstehen.
Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen und Kenntnisse teilst. Es ist inspirierend zu sehen, wie du deine Leidenschaft für Computer in ein so wertvolles Projekt wie dein Computermuseum umgesetzt hast. Wir freuen uns darauf, mehr über deine Sammlung und deine Erfahrungen in der Welt der Computertechnik zu erfahren. Deine Geschichten sind eine wunderbare Erinnerung daran, dass Technologie nicht nur funktional, sondern auch emotional sein kann.
Beste Grüße aus Neuss im Namen des gesamten Teams,
Šukri Jusuf