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Besuch im centre for computing history in Cambridge

Lesedauer: 12 Minuten Das centre for computing history in Cambridge ist der Ort, wo die Briten ihre Errungenschaften im Bereich der Computerindustrie feiern.

Am Sonntag den 5. Juni werde ich das centre for computing history in Cambridge besuchen. Ich freue mich schon sehr. Diesen Beitrag werde ich in den nächsten Tagen fortschreiben mit all den Eindrücken, die ich machen werde.

Centre for Computing History in Cambridge (Quelle: Apple Karten)

Im Jahr 40 nach Erscheinen des Sinclair ZX Spectrum, im Jahr nach Sir Clive Sinclairs Ableben möchte ich an den Ort reisen, wo die britische Homecomputer Revolution begann. Und ich möchte sehen wie diese Erinnerung in Cambridge gepflegt wird.

Diese Statistik über die Anzahl der Sammlungsstücke (Stand 2.6.2022) ist schon sehr vielversprechend.

  • Computers = 1214
  • Peripherals = 90
  • Mobile Devices = 90
  • Game Consoles = 317
  • Video Games = 14278
  • Software Packages = 4508
  • Books = 2771
  • Manuals = 4339
  • Magazines = 9990

Ankunft in Cambridge

Glücklicherweise war der Flug nach LHR und dann die Fahrt nach Cambridge ohne Probleme verlaufen. Um 11:46 kommen wir im centre for computing history an.

Es wird etwas dauern, bis ich die vielen Eindrücke verarbeitet habe und die ganzen Bilder gesichtet habe. Aber einen Teaser kann ich geben. Es gab interessante Gespräche und ich bin interviewt worden.

Interview mit Matt (or Mats) vom centre for computing history

Thank you, Matt (or Mats) for this super experience 😀

Das centre for computing history

Aber nun der Reihe nach. Ich sitze in meinem Hotel und habe die Eindrücke des Tages Revue passieren lassen. Der erste Eindruck ist immer der prägendste sagt man. Wenn man auf das Gelände fährt glaubt man erstmal nicht, dass sich hier eine der bedeutendsten Sammlungen zur Computergeschichte befindet. Repräsentativ ist das nicht. Ein kleines Schild an der Straße weist auf das Gebäude hin.

Eine Fabrikhalle mit zwei Etagen beherbergt das centre for computing history.

Aber draußen ist mir zuerst was anderes aufgefallen: hier können Schnäppchen gemacht werden, oder Geschenke eingesammelt werden.

For free oder sehr günstig. Einfach zugreifen. Ein toller Service

Die Mitarbeiter arbeiten auf freiwilliger Basis und sind alle freundlich und motiviert. Und immer zu einem kurzen informativen Gespräch bereit. Dadurch haben sie auch mitbekommen, dass ich Computer sammle und einen eigenen Blog habe. Sie fragten mich gleich nach der Webadresse.

Angekommen im Paradies für Nostalgiker und Technik-Nerds

Am Empfang kann man einen Blick in die erste Etage werfen. Gleich zwanzig Knubbelmacs unterschiedlicher Konfiguration schauen von oben zu uns runter. Matt erzählte uns später, dass dort oben eine unglaubliche Sammlung an Computern und Zubehör aufgestapelt ist. Der für Besucher zugängliche Bereich ist das Erdgeschoss. Dort sind die Ausstellungsstücke schön präsentiert in drei Räumen angeordnet:

  1. Der Eingangsbereich mit einer repräsentativen Auswahl an Computern der 80er Jahre und einem Computer in Übergröße, auf dem man Tetris spielen kann
  2. Ein britischer Computer-Klassenraum der 80er Jahre mit BBC Micros
  3. Und eine große Halle mit vielen thematischen Aufbereitungen, z.B. Homecomputer der 80er, 16bit Computer, „How the Smartphone took over“, tragbare Computer und auch Spielkonsolen.

Was mich besonders begeisterte waren die vielen Portraits der großen Protagonisten und Influencer der Computergeschichte. Sie sind überlebensgroß an der Decke angebracht und schauen auf uns nieder.

Aufbereiten der Fotos und Videos

Ich habe soooo viele Fotos und Videos gemacht, dass das Sichten und Verarbeiten nur am Smartphone zu schwierig ist.

Ich habe mir heute in der Shopping Mall Grand Arcade in Cambridge einen Raspberry Pi 400 gekauft. Wie cool ist denn das? Es gibt einen Raspberry Pi Laden. In der Stadt, in der dieser Minicomputer 2012 entstanden ist. Und nettes Detail am Rande: eines der ersten produzierten Geräte wurde dem centre for computing history gespendet.

Mit diesem hoffe ich in den nächsten Tagen die Bildermassen besser verarbeiten zu können.

Ein Raspberry Pi aus Cambridge

Aber auch heute Abend habe ich keine Zeit gefunden in meinem Hotel an den Bildern aus dem Museum weiterzuarbeiten. Ich war etwas abgelenkt.

Ein anderes Highlight meiner Tour

34. 😉 Geburtstag 🎁

Am 8.6. feiere ich meinen Geburtstag. Wir sind bei Freunden in Richmond, einem schönen Stadtteil in Londons Süden. Einer meiner Freunde sagte mir bei seinem Geburtstagsanruf, dass die Apple TV+ Serie Ted Lasso in Richmond spielt und ich da einige Filmlokationen finden kann. Hier ist das Richmond Green und das Pub, in dem einige Szenen zur Emmy prämierten Serien entstanden sind.

Am 9.6. war das Filmteam vor Ort und arbeitete an einigen Szenen zu Ted Lasso. Wir glauben, dass wir Jason Sudeikis (der Hauptdarsteller von Ted Lasso) am Set erkannt haben, sind aber nicht sicher. Urteilt selbst. Und der Pub heißt nicht mehr The Prince’s Head, sondern The Crown & Anchor 😉 Schaut euch die Bilder mal genau an.

Immer noch nicht bin ich dazu gekommen den Raspberry Pi in Betrieb zu nehmen. Es gibt viel zu erzählen, die Kinder wollen bespasst werden. Aber ich finde immer mal wieder Zeit ein wenig an diesem Beitrag zu arbeiten.

Einen Tag vorher am 7.6. haben wir in London in den Kensington Gardens und Paddington Labcaches gesucht und gefunden.

Paddington ist da, aber wo ist die Queen?

Paddington der Bär steht dort in einem Park. Er hat während des Jubiläums der Queen zusammen mit ihr einen Tee im Buckingham Palace getrunken. Unbedingt sehenswert. Ich liebe den britischen Humor der Queen. God save the Queen.

Doch nun weiter mit dem centre for computing history.

Ein britisches Computer-Klassenzimmer der 80er

An den Eingangsbereich schließt sich ein Raum mit langen Tischreihen an. Es sind mehrere voll funktionsfähige BBC Micros aufgestellt. Wer sich noch mit BBC BASIC auskennt, kann gleich anfangen zu programmieren. Eine Besonderheit in diesem Raum ist das BBC Domesday System. Es ist eine Art Crowdsourcing-Projekt für Daten zwischen 1984 und 1986. Schüler sammelten damals Geschichten, Bilder und sonstige Daten über ihre Nachbarschaft. Die Daten wurden auf einer großen Laserdisc abgelegt, die 300MB auf jeder Seite speichert. Das System kostete damals 5150£.

Das BBC Domesday Projekt

Auch wir hatten ein „Computerlabor” in unserer Schule. Aber dort standen ausnahmslos Commodore C64.

Die große Halle

Erstmal einen Überblick verschaffen: die große Halle im centre for computing history

In dieser großen Halle sind soviele Erinnerungen an Computertechnik der letzten vierzig Jahre zu finden. Für mich am Wichtigsten ist natürlich alles, was mit Sinclair zu tun hat.

Aber es sind so viele liebevoll aufbereitete Bereiche zu finden. Homecomputer, 16bit-Computer, A Portable Revolution, 70s Office, Connectivity, Pongs und Videoconsolen.

Fangen wir doch mal mit dem 70s Office an.

Das 70s Office

Ähnlich wie im Binarium in Dortmund und auch im Oldenburger Computermuseum gibt es einen speziellen Bereich, der uns wieder vollständig in eine Zeit zurückbringen soll, die schon lange vorbei ist. Dazu gehören sehr häufig Innendesigns wie Tapeten, Tische, Stühle und Utensilien der damaligen Zeit. Im 70s Office laufen auch auf einem Fernseher die BBC-Nachrichten der damaligen Zeit.

Besonders die gelb-orangen Muster der damaligen Tapeten scheinen im kollektiven Gedächtnis unserer Generation festgehalten sein. Man findet einen TRS 80 und einen Commodore PET, ausserdem Nadeldrucker, Akustikkoppler, Schreibmaschine, Taschenrechner und Videorekorder. Was für eine Sammlung von Büroartikeln der damaligen Zeit.

Ein Vergnügen im 70s Office zu arbeiten

Der PET läuft, aber auf der Tastatur ließ sich das U nicht mehr drücken. Ich konnte damit nicht den RUN-Befehl zum Start des Programms eingeben.

Das 70s Office – back to the past

Pongs und Videoconsolen

Pongs und Videokonsolen haben die Menschen schon früh an Computersysteme herangeführt. Auf einmal war es möglich selbst das Programm auf dem Fernseher zu gestalten.

Pong aus den 70ern – immer noch Spaß

Pongs waren die einfachste Form von Computerspiel und machen heute immer noch Spaß.

Alle Pongs und Videoconsolen können gespielt werden

Aus diesen haben sich dann Videoconsolen entwickelt, die mit beliebigen Spielen auf Steckmodulen, später CDs und DVDs, und nun digital übers Netzwerk bestückt werden konnten.

Videoconsolen soweit das Auge reicht – Spiele erobern das Wohnzimmer

Ein Riesenmarkt heutzutage. Angeblich größer als das Filmgeschäft.

A portable revolution

In diesem Bereich wird die Geschichte der mobilen Computer gezeigt. Der Osborne 1 läuft tatsächlich und zeigt auf seinem kleinen Display Daten an. Ein Cambridge Z88 hat auch einen Ehrenplatz wie ein Apple Macintosh Portable.

Die Geschichte der mobilen Computer

Aber das großartigste Gerät in dieser Auswahl ist meiner Meinung nach der Grid Computer. In vielerlei Weise ist dieser Computer ein Vorbild. Er war auf Raumfahrtmissionen der Amerikaner dabei. Und er hat ein massiges Metallgehäuse. Ich habe schon mehrfach bei einem Grid Computer auf eBay erfolglos mitgesteigert.

Der Grid Computer

Homecomputer

Die Klasse der Computer, die die britische Computerindustrie groß gemacht hat, sind die Homecomputer der 80er Jahre. Und hier steht eine repräsentative Auswahl von Rechnern, die alle genutzt werden können. Folgende Computer konnte ich hier lauffähig bewundern:

An den ZX81 habe ich mich hingesetzt und wollte mein Standard-Programm eingeben 😉

10 FOR A=0 TO 255
20 PRINT CHR$(A);
30 NEXT A
Programmierung auf meinem ersten Computer, dem Sinclair ZX81

Aber leider konnte ich die Funktion CHR$ nicht aktivieren, da die Tastaturkombination SHIFT/Newline nicht funktionierte und den Cursor nicht auf F umschaltete.

Tetris spielen mal anders

Zurück im Eingangsbereich dominiert ein Riesencomputer. Hier kann Tetris gespielt werden und die Vorgänge innerhalb des Computers werden visualisiert. Ein großartiges Projekt. Katja hat es einmal ausprobiert und ich habe mitgefilmt. Aber wer das verstehen will, muss sich intensiver damit beschäftigen.

Was passiert in einem Computer beim Tetris-Spiel?

Interessante Gespräche und Interview

Einer der Besucher war mit seiner Familie nach Cambridge gekommen und hat dem centre for computing history eine Sammlung von C64-Software geschenkt. Es war spannend sich mit ihm und seiner Frau zu unterhalten, während die Kinder mit den Arcade-Automaten im Hintergrund spielten. Auch er sammelt Computer. Als nächstes Projekt hat er sich die Restaurierung eines ACT Apricot XI vorgenommen. Er war mächtig beeindruckt von meiner Computersammlung.

In dem Moment kam Matt vom Museum an unseren Tisch und fragte, ob er ein Interview mit mir machen dürfe.

Er hatte sich meinen Blog angeschaut und ist dabei über meinen Atari Mega ST gestolpert. Er wusste, dass der Atari ST früher bei Musikern sehr beliebt war und er wollte wissen, wie ich meinen genutzt habe.

Dabei habe ich ihm auch berichtet, dass ich den Atari zuerst als Hardware-Emulator für den Sinclair QL eingesetzt habe. Bis ich schnell festgestellt habe, wieviel leistungsfähiger dieser Atari gegenüber dem Sinclair QL war.

Ab diesem Zeitpunkt habe ich den Atari ST für fast 10 Jahre als Hauptcomputer genutzt. Matt wollte wissen, warum ich nicht auf PCs umgestiegen bin. Ich erläuterte ihm, dass der Atari ST in Deutschland als professioneller Computer angesehen wurde. Und deshalb gab es professionelle Software (z.B. Office, TeX/LaTeX, oder Programmiersprachen) für diesen Computer.

Ich machte ihn auf meine vier YouTube-Videos über meinen Atari Mega ST aufmerksam, die ich vor mehr als 10 Jahren aufgenommen habe.

Zum Schluss wollte er noch wissen, ob ich jemals schlechte Erfahrungen mit den Microdrives von Sinclair in meinem QL gemacht habe. Aber das konnte ich verneinen, da ich eine recht späte Revision des QL mit deutscher Tastatur gekauft hatte. Dort waren die meisten Kinderkrankheiten schon ausgestanden.

Fazit

Was für eine schöne Tour war das. Cambridge und das centre for computing history zu besuchen war eine Herzensangelegenheit. Der erste Eindruck von einer Fabrikhalle in einem Industriegebiet ist einem dankbaren Gefühl gegenüber den freiwilligen Mitarbeitern des Museums gewichen. Sie haben eine tolle Ausstellung von interessanten Erinnerungsstücken an eine spannende Zeit der britischen Computergeschichte aufgebaut und pflegen diese Erinnerung.

Ich kann jedem dieses Museum weiterempfehlen. Diese Reise lohnt sich. Dass ich dann auch noch einen Raspberry Pi 400 in einem speziellen Raspberry Pi Laden kaufen konnte war das beste Geburtstagsgeschenk, dass ich mir selbst machen konnte.

Ein herzliches Dankeschön an Matt, der sich mit seinen Besuchern so intensiv beschäftigt. Und ein herzliches Dankeschön an meine Freundin Katja, die meinen Wunsch erfüllt hat und mit mir nach Cambridge gefahren ist.

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