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MacBook Air – das Vorbild für flache Laptops

Lesedauer: 10 MinutenDie MacBook Air zeigten ab 2008 auf, dass es möglich ist flache Laptops mit geringen Kompromissen zu bauen. Die PC Welt brauchte bis 2011.

Flache Laptops waren immer der Traum jedes Tech Nerds. Es ging uns immer um ultra mobile und kompakte Computer, die wir mit uns tragen konnten und in allen Situationen unabhängig vom Stromnetz benutzen konnten. Vor ein paar Jahren habe ich schon mal das Thema Mobile Computer behandelt und dabei am Beispiel der Sammlungsstücke meines Computermuseums die Umsetzung mobiler Computer aufgezeigt. Was ist da mittlerweile nicht alles enthalten.

Außerdem habe ich schon die faszinierende Entwicklung der mobilen Apple Macintoshs betrachtet. Mit den beiden MacBook Airs von 2008 und 2010 habe ich eine neue Perspektive auf superflache Laptops erhalten. Sie sind nun Teil meines Computermuseums geworden. Diese beiden Laptops haben einen neuen Markt definiert. Intel hat ab 2011 dafür einen Marketingnamen erfunden: Ultrabooks.

Entwicklung mobiler Computer

Es ist spannend zu beobachten, wie der technische Fortschritt immer mobilere Computer ermöglicht hat. Der erste Computer in meiner Liste, der Epson HX20 ist zwar flach, kompakt und hat ein eigenes Display. Er ist aber nicht wirklich mobil, da die passende Akku- oder Batterietechnologie noch nicht vorhanden war. Auch der Apricot Portable ist zwar tragbar, aber benötigt doch einen Netzanschluss, um genutzt zu werden.

Spätestens ab Ende der 80er Jahre waren wirklich mobile und autarke Computer möglich. In meiner Sammlung habe ich von einem meiner IT-Helden, Sir Clive Sinclair, den Cambridge Z88, der mit normalen Batterien genutzt werden konnte. Journalisten nutzten diesen Computer, der schon ein richtiges Laptop darstellte. Richtig klein wurde es dann mit dem Atari Portfolio, der ein DOS als Betriebssystem hatte.

Mein erstes Sammlungsstück, was einen Laptop im heutigen Sinne darstellte, war der Macintosh Portable, der allerdings noch sehr schwer war, weil er Bleiakkus für die Stromversorgung verwendete. Auch in der PC Welt wurden Laptops immer beliebter.

Danach gab es alle möglichen Formfaktoren. Und sie wurden durch die technische Entwicklung immer kompakter. Diese technische Entwicklung erlaubte es erstmal immer mehr Features in die Gehäuse zu packen.

Aber dadurch wurden diese Computer auch immer schwerer und größer. Gute Beispiele sind heute die Gaming-Laptops, die wegen der starken Grafikleistungen große Gehäuse und Kühlung benötigen.

Wirkliche Kompaktheit erreichte man nur, wenn man Komponenten wegließ. Apple ist in dieser Hinsicht immer ein Vorreiter gewesen. Zuerst hat man das Diskettenlaufwerk weggelassen. Dann das CD/DVD-Laufwerk. Man hat alle möglichen Ports auf wenige USB-Ports reduziert. Über Wireless-Technologien wurde es möglich auch auf Speicherkarten-Slots zu verzichten.

  • 8. Apple PowerBook 180
  • 11. Apple eMate 300
  • 12. Apple PowerBook G3
  • 15. Apple iBook G3
  • 16. Apple PowerBook G4
  • 17. Apple PowerBook G4 12"
  • 19. Apple MacBook White
  • 21. Apple MacBook Pro 15"
  • 24. Apple MacBook Alu Unibody

Das MacBook Air war ein Beispiel dafür, wieviel man weglassen konnte und trotzdem ein vollwertiges Laptop produzieren konnte. Aber es waren schon viele Kompromisse, die man für das damals flachste Laptop auf dem Markt eingehen musste.

Keilform rechts - Originaldesign links
Keilform rechts – Originaldesign links

Mobile Computer in meiner Sammlung

Mobile Computer in meiner Sammlung
Mobile Computer in meiner Sammlung (Nummer 10 – IBM Thinkpad fehlt)
No.GerätJahrHöhe (in mm)
1Epson HX20198135-30
2Apricot Portable1984195
3Cambridge Z88198727
4Atari Portfolio198927
5Macintosh Portable198958-104
6Highscreen 386SX20199155
7Olivetti Laptop D33/C199165-82
8Apple Powerbook 180199258
9HP 200LX199425
10IBM Thinkpad 701CS199443
11Apple eMate 300199753
12Apple Powerbook G3199845
13Psion Netbook199935
14IBM Thinkpad A20m200045
15Apple iBook G3200035-50
16Apple Powerbook G4200127
17Apple Powerbook G4 12″200330
18Sony Vaio VGN-TX3HP200524-31
19Apple MacBook White200625
20Sony Vaio UX200639
21Apple MacBook Pro 15″200727
22OQO 2200733
23Apple MacBook Air200813-19
24Apple MacBook Alu Unibody200823
25Sony Vaio P11Z200920
26Apple MacBook Air201011-17
Liste mobiler Computer in meiner Sammlung
Meine Sammlung mobiler Computer

Superflache Laptops

Flache Laptops sind etwas sehr begehrenswertes. Flach, kompakt, leicht, trotzdem leistungsfähig und meistens in Aluminium gekleidet, da man so die Wärme besser ableiten konnte. Wegen des schönen Materials sahen diese Computer dann auch hochwertig aus und wurden für höhere Preise am Markt angeboten.

Das erste MacBook Air kostete 1799$. Aber bereits 2010 wurde die nächste Variante schon für 1299$ angeboten, und das 11 Zoll kleine MacBook Air kostete sogar nur noch 999$.

Bis dahin hatte der Wintel-Laptop-Markt nichts vergleichbares anzubieten. Es gab zwar die Subnotebook-Klasse, die kompakt und extrem teuer war. Ein Beispiel ist das Sony Vaio VGN-TX3HP in meiner Sammlung. Oder die UMPC-Klasse von sehr kompakten Computern. Dazu gehören von Sony der Vaio UX und der Vaio P11Z. Ein anderes Beispiel ist der OQO 2 von 2007. Ein extremes Beispiel waren die Netbooks, die aber nur billige Laptops waren, weil man auf fast alles verzichtete. Da war nichts attraktives an diesen Geräten bis auf den Preis. Und sie wurden millionenfach verkauft. Ein Beispiel für diese Netbook-Klasse ist der eee PC von Asus.

Aber bei all diesen Größen-Formaten waren extreme Kompromisse erforderlich. Entweder war das Display zu klein, um ein vollwertiges Desktop Betriebssystem wirklich sinnvoll nutzen zu können. Oder die Tastaturen waren zu klein und man konnte nicht vernünftig auf diesen Mäuseklavieren tippen. Am Speicherplatz wurde gespart oder die Prozessoren waren wenig leistungsfähig. Selten haben diese flachen Laptops wirklich Spaß im täglichen Nutzen verbreitet.

Das MacBook Air

Das MacBook Air veränderte 2008 alles. Natürlich löste auch die spektakuläre Präsentation durch Steve Jobs einen Nachfrageboom nach diesem Gerät aus. Als er diesen Computer aus einem Versandumschlag herausholte applaudierte die gesamte IT Community.

Ikonische Präsentation - Steve Jobs zieht das MacBook Air aus dem Versandumschlag
Ikonische Präsentation – Steve Jobs zieht das MacBook Air aus dem Versandumschlag (Quelle: YouTube, Steve Jobs – Apple)

Ich habe die Werbung zum MacBook Air so oft gesehen, dass sich die Musik in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Deshalb ist mir diese Keynote sehr in Erinnerung geblieben. Und ich habe mir vorgenommen, dass ich dieses ikonische Laptop in meine Sammlung aufnehmen will.

Iconic commercial (Source: YouTube, cyclops23666)

Im Jahr 2009 stellte Sony dann das Sony Vaio X vor, was mit 13,9mm Höhe gegenüber dem MacBook Air mit seinen 19,33mm Höhe knapp 5,4mm flacher war. Aber das MacBook Air wurde nach vorne hin noch flacher und war am vorderen Rand nur noch 4mm hoch. Im MacBook Air von 2010 veränderten sich die Werte nochmals: hinten 17,3mm und vorne 2,79mm Höhe. Was für ein Keil.

MacBook Air - Schnittstellen sind Mangelware
MacBook Air – Schnittstellen sind Mangelware

Selbst das 11 Zoll kleine MacBook Air hatte eine vollwertige Tastatur. Trotzdem mussten auch beim MacBook Air viele Kompromisse für das flache Gehäuse eingegangen werden. Lediglich ein USB-Port führte zu einem Aufschrei des Zorns bei den Nutzern des MacBook Air von 2008. Mit 80 GB Festplatte konnte nicht viel gespeichert werden. Die sündhaft teure SSD Option bot sogar nur 64 GB Speicherplatz. Und der Prozessor war nicht wirklich leistungsfähig. All das verbesserte sich zwar beim MacBook Air von 2010, aber es brauchte die M-Prozessoren von Apple, bis diese Laptops auch richtig leistungsfähig und energieeffizient wurden.

Trotzdem waren flache Laptops von Apple der Renner für die nächsten Jahre bis Intel im Jahr 2011 das Ultrabook Label veröffentlichte.

Ultrabooks

Das Ultrabook Label wurde von Intel eingeführt, um auch im Wintel-Bereich attraktiv gestaltete flache Laptops anbieten zu können. Dieses Label war verbunden mit einer finanziellen Förderung für die PC-Produzenten, die diese kompakten und hochwertigen Computer bauen sollten. Intel hat daran aber Mindestanforderungen an die Geräte gestellt, damit der Hersteller dann von der finanziellen Förderung profitieren konnte.

  • Maximal 20 mm (später korrigiert auf 21 mm) Höhe
  • Lange Akkulaufzeit von mindestens 5 Stunden (bei geringer Auslastung)
  • Mainstream-Preise – unter 1.000 $ ohne Mehrwertsteuer für die Einstiegsmodelle
  • Sandy Bridge-Prozessoren mit 17 Watt TDP
  • Fortgeschrittene integrierte Grafiklösung (Intel HD 3000)

Die Anforderungen wurden noch zweimal geändert, was immer eine neue Intel-Prozessorplattform beinhaltete und neue Schnittstellen. Später wurde auch ein Touchscreen verpflichtend. So gibt es heute hochwertige flache Laptops im Wintel-Bereich nur noch mit Touchscreen. Eine Entwicklung, die ich sehr positiv finde, da ich mir auch wünschen würde, dass Apple bald die MacBook Airs um einen Touchscreen erweitert.

Beispiele für Ultrabooks der ersten Stunde sind das Dell XPS 13, HP Envy 14 Spectre, Asus Zenbook, Lenovo IdeaPad und Toshiba Portégé.

Ich habe Zugriff auf zwei Laptops aus der PC Welt, die sich mit dem flachen MacBook Air 13″ von 2010 messen können.

HP Spectre X360 13,3″

Eines ist das Ultrabook HP Spectre X360 von 2017, das auch als Tablet verwendet werden kann. Es hat ein spezielles Scharnier, mit dem man das Display komplett auf die Bodenseite des Laptops drehen kann. Es zeigt deutlich auf, wie flach heutzutage leistungsfähige Laptops gebaut werden können. Und es ist sehr elegant in seinem silbrig-glänzenden flachen Gehäuse.

Lenovo ThinkPad E14

Und ich habe das Lenovo ThinkPad E14, ein aktuelles Business Laptop, das auch in einem eleganten Metallgehäuse ganz in schwarz daherkommt. Es ist nicht so flach wie das MacBook Air, aber auch bemerkenswert flach für ein Business Laptop. Ikonisch ist beim ThinkPad der rote Touchpoint, mit dem man den Mauszeiger alternativ bewegen kann.

Fazit

Apple hatte den PC-Markt im Jahr 2008 mit seinem superflachen MacBook Air überrascht. Aber für viele PC-Hersteller war es nicht leicht Apple zu folgen und ähnlich flache Laptops zu bauen. Auch war man sich nicht sicher, dass Apple mit diesem sehr reduzierten Gerät wirklich Erfolg haben würde. Erst 2011 wurde es möglich mit der finanziellen Förderung durch Intel vergleichbare PC-Produkte auf den Markt zu bringen.

Heute geht allerdings der Trend wieder zurück zu vernünftig ausgestatteten Laptops. Viele Schnittstellen verlangen ein genügend hohes Gehäuse. Leistungsfähige Prozessoren oder Grafikeinheiten benötigen auch ein größeres Gehäuse für die Anwendung geeigneter thermischer Konzepte.

Apple hat bei seinem Redesign des MacBook Air von 2023 auf die Keilform verzichtet und hat auch ein 15 Zoll grosses Display verbaut. Viele sind der Meinung, dass dies nicht mehr den Namen MacBook Air verdient. Ich kann hier zustimmen, da ich mein MacBook Air M2 15″ als zu schwer und unhandlich wahrnehme. Ich würde es als ein sehr gutes MacBook bezeichnen. Dagegen schätze ich die kompakten und flachen MacBook Air 13″ in meiner Sammlung sehr. So muss ein MacBook Air aussehen.

MacBook Airs - dazwischen liegen 15 Jahre
MacBook Airs – dazwischen liegen 15 Jahre

Ausblick auf den 500. Blog-Beitrag in digitalesleben.blog

Dies ist der 499. Beitrag meines Blogs. Im Jahr 2012 habe ich meinen ersten Blog-Beitrag gestartet. Seit nunmehr 13 Jahren gehen mir die Themen aus meinem Digitalen Leben nicht aus und ich habe auch schon eine Idee für den 500. Beitrag.

Ich werde bald die Autostadt in Wolfsburg besuchen und dort speziell die Ausstellung ICONIC, in der mein Laptop IBM ThinkPad 701CS präsentiert wird. Über diese Eindrücke werde ich in meinem 500. Beitrag berichten.

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