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Besuch im OCM am Internationalen Museumstag 2024

Lesedauer: 20 MinutenEndlich konnte ich einen Besuch im OCM realisieren. Ein Verein von Computer-Fans zeigt uns Homecomputer und ihre BASIC-Programmierung.

Schon oft habe ich einen virtuellen Einblick in das Oldenburger Computermuseum e.V. (OCM) erhalten. Entweder aus YouTube-Streams während der Corona-Pandemie. Oder aus dem Buch Resume von Dr. Dr. Stefan Höltken, das auch als Ausstellungskatalog zum OCM genutzt werden soll. Am Internationalen Museumstag am 19.5.2024, Pfingstsonntag, fand ich endlich die Zeit für einen Besuch im OCM.

An diesem Tag hatte das Museum sogar von 12 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Vielen Dank für diese Möglichkeit. Der Eintritt war kostenlos, aber ich habe am Ende meines Besuchs noch Geld in die Spendenbox in der Lobby geworfen.

Öffnungszeiten des OCM

In meinem Beitrag über den Ausstellungskatalog des OCM hatte ich mein Bedauern geäußert, dass die Öffnungszeiten sehr eingeschränkt sind. Mittlerweile aber hat das OCM auch am zweiten Sonntag jeden Monats von 14 bis 17 Uhr zusätzlich geöffnet. Ansonsten ist das Museum an jedem Dienstag von 18 Uhr bis 21 Uhr zugänglich.

Willkommen in den 80ern
Willkommen in den 80ern

Man darf nicht vergessen, dass die Vereinsmitglieder für den Betrieb und die Öffnung des Museum verantwortlich sind. Es gibt keine festangestellten Mitarbeiter. Sie können ihre Anwesenheit im Museum nur in ihrer Freizeit realisieren. Deshalb ein großes Dankeschön an das Team für ihre Motivation und Begeisterung.

Das Team des OCM

Während meiner Anwesenheit im OCM erlebte ich eine großartige Unterstützung durch ein motiviertes und sympathisches Team. Das Museum war gut besucht und alle Team-Mitglieder kümmerten sich um ihre Besucher. Mir wurde sofort ein Stuhl angeboten, als ich an einem der Rechner begann zu programmieren.

Nettes Detail - Klappstühle für die Besucher
Nettes Detail – Klappstühle für die Besucher

Und die Stühle sind schon mal eines der kleinen Details, die aufzeigen wieviel Gedanken sich das Team um die Konzeption des OCM gemacht hat. An mehreren Stellen stehen Sammelpunkte für diese Klappstühle, die man dann von Rechner zu Rechner mitnehmen kann. Ein toller Service und unbedingt erforderlich, wenn man die anderen Konzepte des Museums entdecken möchte.

Um 14 Uhr und 16 Uhr wurde durch eines der Vereinsmitglieder eine Führung durch das Museum veranstaltet. Mit großem Einfühlungsvermögen für die Kinder unter den Besuchern versuchte Volker zu vermitteln, was diese Zeit für uns Computer Kids der 80er so bedeutsam macht. Analogien wie Schallplatten und Spotify oder Quelle-Katalog und Amazon transportierten unsere Vergangenheit in die Gegenwart.

Auch für Getränke wurde durch das Team gesorgt. Im Bereich der Videospielkonsolen gab es einen Getränkeverkauf.

Es ergaben sich immer wieder interessante Gespräche mit den Vereinsmitgliedern, die alle ein OCM-Batch um den Hals trugen. Sie sind mit Leidenschaft dabei und erläutern einem gerne die Geräte und das didaktische Konzept des Museums.

Das didaktische Konzept des Museums

Das didaktische Konzept der Ausstellung hat es in sich. Jeder Homecomputer der Ausstellung steht auf einem Schreibtisch, der an der rechten Seite eine Anzahl von Schubladen hat. Die oberste Schublade hat eine orangefarbene Front und ist mit dem Wort Starter bezeichnet. In diesem ist ein vom OCM erstellter QuickStart Guide für den Computer auf dem Schreibtisch mit dem Titel Sofort loslegen abgelegt. Die Schubladen darunter enthalten Originalhandbücher, Software auf Datenträgern und zusätzliches Material, z.B. alte Werbungen und Prospekte.

Auf dem Schreibtisch steht ein funktionsfähiger Homecomputer mit Display. Entweder ein Fernseher oder manchmal auch Originalmonitore der Hersteller. Außerdem ein Massenspeicher, wie Kassettenrecorder oder Diskettenlaufwerk. Und manchmal auch zusätzliches Equipment. Beispielsweise steht beim TI-99/4A ein Digitizer namens SuperSketch mit dem man in einem Zeichenprogramm Bilder malen kann. Beim Atari ST ist zusätzliche Technik für die Musikwiedergabe auf dem Tisch.

Ziel des Museums ist es, dass der Besucher an jedem Homecomputer ein kleines Erfolgserlebnis haben kann, wenn er die Seiten des Sofort loslegen-Buches durchgearbeitet hat. Man weiß dann

  • wie man den Homecomputer aus- und einschaltet,
  • wie man ein BASIC Programm eingibt und ausführt,
  • und wie man Software von Datenträgern lädt und startet.
Das Sofort loslegen-Handbuch
Das Sofort loslegen-Handbuch

BASIC wiedererlebt

Am 1. Mai 2024 feierte die Programmiersprache BASIC ihr 60-jähriges Jubiläum. Erst wenige Tage vor meinem Besuch im OCM veröffentlichte ich einen Beitrag zu diesem Jubiläum. Inspiriert dazu wurde ich durch meine Rezension des Buches von Olde Hansen Von BASIC zur IT-Crowd. Ich lernte aus dem Buch für mich viele neue Erkenntnisse über die Nutzung von BASIC auf Homecomputern in beiden Teilen Deutschlands.

M-BASIC von Microsoft auf dem Osborne 1
M-BASIC von Microsoft auf dem Osborne 1

Und BASIC ist im OCM das gemeinsame Merkmal dieser Sofort loslegen-Handbücher. Auch wenn man Resume, den Ausstellungskatalog des Museums durchblättert, fallen einem die vielen BASIC-Programme auf. Jeder der ausgestellten Homecomputer kann über seinen eigenen BASIC-Dialekt programmiert werden. Auch wenn viele Computer mit BASIC von Microsoft ausgestattet sind, so sind die Implementierungen von System zu System sehr unterschiedlich.

Das erkennt man, wenn man sich vor die Computer setzt und die vorgeschlagenen BASIC-Programme eintippt. Genauso war es vor vierzig Jahren, als ich meinen Sinclair ZX81 programmierte. Meistens hatte ich Computermagazine vor mir liegen in denen seitenlange Listings mit BASIC-Programmen abgedruckt waren. Stundenlang tippte ich diese Spiele ein. Dadurch lernte ich programmieren. Diese Erfahrungen sind in mein einziges Spielprogramm eingeflossen, das ich jemals geschrieben habe: ZX Fall, ein Klon von Pitfall auf der Atari VCS.

Heute, sechzig Jahre später spielt BASIC kaum mehr eine Rolle in der Programmierung. Aber hier im OCM wird klar, wie einfach es damals war in die Programmierung einzusteigen und die Möglichkeiten eines Computers auszutesten.

Die ausgestellten Homecomputer

Das who is who der Homecomputer ab 1977 bis Ende der 80er ist aufgebaut und kann zur BASIC-Programmierung verwendet werden.

Die Trinity von 1977

Den Anfang macht die Trinity von 1977. Es sind die drei ersten bezahlbaren Computer, die alle zufälligerweise 1977 auf den Markt kamen. Sie sind die ersten Homecomputer und starteten den Boom auf ein neues Hobby für Zuhause.

Die Trinity von 1977
Die Trinity von 1977

Es sind der Apple II (ausgestellt ist der IIe von 1983), der Commodore PET und der Tandy RadioShack TRS-80. Auf dem Apple IIe habe ich das Sofort Loslegen-Handbuch durchgearbeitet. Ohne dieses Handbuch wäre ich nie in der Lage gewesen nur eine einzige Zeile in BASIC zu programmieren. Der Apple IIe startet nämlich mit einem Prompt und muss erst mit einer Tastenkombination auf das eingebaute BASIC umgeschaltet werden.

Bei dem Commodore PET probierte ich gespannt jede einzelne Taste auf seiner Tastatur aus. Dieser Computer war bekannt dafür, dass die Taschenrechner-ähnliche Tastatur regelmäßig nicht mehr funktionierte und immer wieder gereinigt werden musste. Die Tastatur des PET im OCM ist makellos. Sie wurde erst Ende letzten Jahres wieder überarbeitet und geprüft, erzählte mir einer der Vereinsmitglieder. Als ich 2022 das centre for computing history in Cambridge besuchte, bin ich an der defekten Tastatur eines PET verzweifelt.

Den TRS-80 wollte ich nicht in BASIC programmieren. Ich musste ihn bereits in meinem ersten Semester Informatik an der Universität Düsseldorf zur Programmierung eines Quick Sort Algorithmus verwenden. Der absolute Horror in meiner persönlichen Erinnerung.

Die Urväter der Homecomputer

Gegenüber standen noch ältere Exemplare von Homecomputern als die berühmte Trinity von 1977. Es waren die absoluten Pioniere von MITS (der Altair 8800), Commodore (der KIM-1) und Apple (eine Replika des Apple 1). Diese waren allerdings nicht für die interaktive Nutzung vorbereitet. Im Buch Resume gibt es aber Kapitel zur Programmierung des Apple 1 und des KIM-1.

Steve Wozniaks Geniestreich - der Apple 1
Steve Wozniaks Geniestreich – der Apple 1

Der Altair 8800 wurde mit einem Lochstreifen gefüttert. Paul Allen hat damit das erste Micro-Soft BASIC auf diesen Computer gespielt. Damals wurde Microsoft noch mit einem Bindestrich geschrieben. Dies war der Start dieser Firma und machte Bill Gates zu einem der reichsten Menschen der Welt.

Die ersten Homecomputer der 80er

Die nächsten Homecomputer in dem nun folgenden Bereich waren der Commodore VIC 20, der IBM PC und der Osborne 1.

Der VIC 20 wurde nur in Deutschland VC 20 genannt. Commodores Marketing machte daraus den ersten Volkscomputer in Deutschland. Mit seinem knappen RAM von 3,5 KB war nicht viel möglich. Aber es gab Farbgrafik und Sound. Der Preiskrieg zwischen Commodore VIC 20 und Texas Instruments TI-99/4A machte diese beiden Computer bezahlbar. TI stieg danach aus dem Homecomputer Markt aus.

Der IBM PC zählt eigentlich nicht zu den Homecomputern. Aber er hatte einen massiven Einfluss darauf, wie Business Kunden ihre Arbeitscomputer auswählten. Die PC-Platform wurde ab den 90ern bezahlbar mit Farbgrafik und Sound und dann zum neuen Homecomputer. Er war der Urvater der WINTEL-Fraktion von Computern, die heute alles dominieren. Leider gab es für diesen Computer noch kein Sofort loslegen-Handbuch.

IBM PC: der Urvater der heutigen WINTEL-Plattform
IBM PC: der Urvater der heutigen WINTEL-Plattform

Dass der Osborne 1 hier zur Programmierung freigegeben ist, finde ich einfach großartig. Der erste portable Computer. Er war unglaublich erfolgreich im Business-Bereich mit CP/M, bevor der IBM PC mit Microsofts PC DOS die Marktführung übernahm. Adam Osborne führte seinen eigenen Untergang herbei, indem er seinen nächsten Computer frühzeitig ankündigte. Keiner kaufte den Osborne 1 danach mehr. Alle warteten gespannt auf den Nachfolger. Auch bei diesem Computer hat Microsoft das M-BASIC beigesteuert. Es hat Spaß gemacht das Testprogramm aus dem Sofort loslegen-Handbuch einzugeben und auszuführen.

Britische Homecomputer der 80er

Hier fängt meine eigene Vergangenheit mit Homecomputern und BASIC an. Der Sinclair ZX81 ist an einen wunderschönen orangefarbenen Fernseher angeschlossen. Mit Interesse habe ich mir das Sofort loslegen-Handbuch angeschaut. Eine Information fehlt dort, die man einem Anfänger noch mitteilen sollte. Das Löschen von Zeichen macht man über die Shift und die 0-Taste (Rubout). Das ist eine der spleenigen britischen Eigenarten, die man heutzutage nicht mehr versteht.

Wie für viele war dieser Computer auch für mich bezahlbar. Mit diesem Computer verbinde ich viele schöne Erinnerungen. Im Jahr 2021 feierte er schon seinen 40. Geburtstag.

5 Millionen Fans können sich nicht irren: der Sinclair ZX Spectrum
5 Millionen Fans können sich nicht irren: der Sinclair ZX Spectrum

Gegenüber steht der Sinclair ZX Spectrum. Es ist DER britische Spielcomputer. Über fünf Millionen ZX Spectrum wurden verkauft. Vor zwei Jahren schrieb ich auch für diesen Computer einen Jubiläumsbeitrag zum 40. Jahrestag. Ich habe auch Beiträge zur faszinierenden Firma Sinclair und über ihren Chef Sir Clive Sinclair veröffentlicht. Leider ist Sir Clive mit 81 Jahren verstorben.

Auch in diesem Bereich vertreten ist der BBC Micro von Acorn. Sein BASIC zählte damals wie heute zu den allerbesten BASIC-Dialekten. Auch dort setzte ich mich hin und programmierte mich durch das Sofort loslegen-Handbuch. Diese Firma und sein Personal gehört für mich zu den einflussreichsten in der Computerwelt.

Amerikanische Homecomputer der 80er

Die nächsten Computer gehören zu den erfolgreichsten Homecomputern aller Zeiten. Dummerweise legte sich Texas Instruments (TI) mit Commodore an. Nach knapp drei Millionen TI-99/4A Computern stellte TI sein Homecomputer-Business ein. Der TI-99/4A war zwar der erste 16 Bit Heimcomputer, aber sein BASIC war wirklich das langsamste. Deshalb programmierte ich beim TI-99/4A kein BASIC-Programm, sondern nutzte den Digitizer zum Malen. Was für ein schönes buntes Spielzeug.

Der TI-99/4A und der Digitizer
Der TI-99/4A und der Digitizer

Um die nächste Ecke ist der König der Homecomputer zu sehen. Der C64 inklusive Floppy-Laufwerk. Angeblich wurden 12,5 Millionen C64 in allen Varianten verkauft. Zu diesem Computer hatte ich mal einen Beitrag zu GEOS, einer grafischen Benutzeroberfläche geschrieben.

Ich konnte mich zwar daran erinnern, wie man den Katalog einer Diskette einliest und anzeigt. Aber ich wusste dummerweise nicht mehr, wie man eines der Programme von der Diskette dann lädt. Gefrustet sah ich mir dann die schöne Anordnung von Commodore und Atari 8 Bit Computern an.

Commodore und Atari 8 Bit Computer
Commodore und Atari 8 Bit Computer

Die beiden Firmen sollten dann nicht nur in der 8 Bit Ära die größten Konkurrenten sein, sondern in der Mitte der 80er-Jahre ging es dann mit der 16 Bit Ära weiter. Atari ST und Amiga stehen im nächsten Raum einträchtig nebeneinander. In der Nähe ist dann auch ein Macintosh von 1984 und ein britischer RISC-Computer von Acorn.

Bei diesen Computern war ein BASIC nicht mehr direkt beim Start verfügbar. Dort musste man einen BASIC Interpreter von Diskette oder Festplatte nachladen. Ich habe dies beim Atari ST gemacht und ein wenig in ST BASIC programmiert. Den Amiga und sein Betriebssystem habe ich nie verstanden. Auch im OCM kam ich nicht weiter. Ich war nicht in der Lage die Maus des Amiga richtig zu bedienen und das BASIC von der Diskette zu laden.

Deutsche Homecomputer der 80er

Ja, auch deutsche Homecomputer werden im OCM gezeigt. Und man kann sie auch in BASIC programmieren. Der eine ist ein echter deutscher Computer. Aber aus Ostdeutschland. Es ist der KC 85/3 vom VEB Mikroelektronik “Wilhelm Pieck” Mühlhausen im Kombinat Mikroelektronik Erfurt. Puh, was für eine lange Bezeichnung. Leider ist in der Starter Schublade noch kein Sofort loslegen-Handbuch vorhanden. Es ist noch in der Vorbereitung. Aber ich habe ein BASIC-Handbuch des Herstellers in einer anderen Schublade gefunden und ein BASIC-Program eingegeben. Cool. Interessant, dass man in der DDR das BASIC nicht eingedeutscht hat, wie es Microsoft später mal bei VBA gemacht hat.

Der andere deutsche Homecomputer ist aber keiner. Es steht zwar Schneider drauf, aber eigentlich ist der CPC464 von Amstrad. Also auch ein englischer Homecomputer, und ein sehr später dazu. Sir Alan Michael Sugar hat einfach seine Konzepte von seinen HiFi-Kompaktanlagen auf den Computermarkt umgesetzt. Aber er arbeitete mit guten Leuten zusammen, als er den CPC464 entwickeln ließ. Das Locomotive BASIC gehört auch zu den guten BASIC-Dialekten. Deshalb wollte ich gerne auch hier die Vorschläge aus dem Sofort loslegen-Handbuch durcharbeiten. Nach wenigen Zeilen BASIC-Code hatte ich ein nettes Tron Spiel, das über den angeschlossenen Joystick gesteuert werden konnte. Ein sehr netter Abschluss meiner BASIC-Runde durch den Homecomputerbereich des OCM.

Führung durch die Zeit der Homecomputer

Um 14 Uhr schloss ich mich der Führung durch OCM-Vereinsmitglied Volker an. Knapp 20 Personen wollten mehr Anekdoten und Details über die Zeit der Homecomputer und die BASIC-Programmierung hören. Treffpunkt war im Wohnzimmer der 70er- und 80er-Jahre. Eine ähnlich psychedelische Tapete hatte auch das Binarium in Dortmund. Allerdings ist die dort vorherrschende Farbe orange. Im OCM ist die Tapete grün.

In diesem Zimmer ist auch alles vorhanden, was damals noch analog war und heute digital angeboten wird. Eine HiFi-Kompaktanlage mit Schallplatten und Kassetten. Ein Quelle-Katalog von 1985/86. Was für coole Erinnerungen. Auch mein Privileg-Taschenrechner, den ich heute noch nutze, ist im Quelle-Katalog für 69,95 DM angeboten. Magazine und Bücher der 80er Jahre liegen dort. Volker verglich ein Bravo-Magazin mit Instagram. Eine schöne Analogie.

Literatur - Art of Atari
Literatur – Art of Atari

Im Foyer-Bereich gibt es auch zwei Vitrinen mit Merchadising-Artikeln zum OCM. Man kann den Ausstellungskatalog Resume kaufen. Überrascht war ich, dass ich dort auch das Buch The Art of Atari von Tim Lapetino vorfand. Dieses Buch habe ich auch in meinem Blog beschrieben, nachdem ich es von meinen Arbeitskollegen bei meinem Kunden als Erinnerung an ein gemeinsames Projekt geschenkt bekommen habe.

Es geht los

Volker und eine weiteres Vereinsmitglied begannen mit einem kleinen Theaterspiel über Steve Jobs und Steve Wozniak und zeigten dann den Apple 1.

Beim PET wurde schön mit einem Maßband der Größenunterschied zwischen dem RAM der Homecomputer und dem Speicherbedarf eines Digitalfotos des Commodore PET visualisiert. Fakt ist, ein einziges Digitalfoto passt nicht in den Speicher eines Homecomputers der 70er und der 80er. Auch ein IBM PC der ersten Stunde hätte dieses Foto nicht verarbeiten können.

Visualisierung der Speichergrößen an einem Maßband
Visualisierung der Speichergrößen an einem Maßband

Der arme Osborne 1 wurde auf seine Tastatur hochgeklappt und uns so als erster Schlepptop präsentiert. Fast wäre dabei eine Diskette bei dieser Aktion zerstört worden. Puh, gerade nochmal Glück gehabt ☺️

Wir erhielten eine kurze Erläuterung des Lagers, was man hinter einem Sinclair C5 (Elektrofahrrad der 80er) sehen kann.

Der Sinclair C5 vor dem Lager
Der Sinclair C5 vor dem Lager

In der Folge wurde dann zu jedem der Homecomputer und ihre Bedeutung für uns Computer Kids etwas gesagt. Beim Atari 800XL sahen wir die erste Rolle des Klempners Mario. Im Spiel Donkey Kong tauchte diese Computerfigur erstmals auf und rettete seine Freundin Pauline. Neu war mir, dass diese Figur eigentlich Popeye heißen sollte.

Die Führung endete mit den letzten Homecomputern. Die Videospielkonsolen und die Arcade-Automaten wurden nicht erläutert. Vielen Dank an Volker für diese interessante Präsentation.

Quiz-Rallye im OCM

Irgendwann merkte ich, dass rund um mich herum die Besucher mit Zetteln herumliefen und geschäftig irgendwelche Informationen sammelten. Sie schauten auf die Infotafeln und suchten offensichtlich Lösungen zu Fragen auf dem Zettel. Es stellte sich heraus, dass das OCM eine Quiz-Rallye organisiert hatte. Und ich habe dies nicht mitbekommen. Nachdem ich alles gesehen hatte, wollte ich mir beim Empfang einen solche Fragebogen holen. Leider gab es keine mehr. Ich bat aber darum, dass mir der Fragebogen per E-Mail zugesandt würde. Leider habe ich diesen noch nicht erhalten und kann deshalb leider nicht über den Schwierigkeitsgrad dieser Quiz-Rallye berichten. Nach den Reaktionen der Besucher zu urteilen scheinen die Fragestellungen aber herausfordernd gewesen zu sein.

Die Videospielkonsolen

Die Videospielconsolen im OCM
Die Videospielconsolen im OCM

Im hinteren Teil des Museums sind alle Generationen von Videospielkonsolen spielbar. Während ich im Museum war, wurden diese Geräte von vielen Vätern und ihren Söhnen umlagert. Ich spielte mit einem anderen Besucher eines der klassischen Pong-Spiele. Ein Wunder, dass wir uns damals stundenlang mit diesem Spiel beschäftigt hatten. Nach 10 Minuten waren wir schon ein wenig gelangweilt. Vielleicht weil wir beide so gut waren und keine Fehler machten 😉 Der Controller lief nach all diesen Jahren einwandfrei. Eine tolle Leistung für diese alte Hardware. Auch eine funktionierende Vectrex konnte mit dem Spiel Asteroids gespielt werden.

Die Arcade-Automaten

Arcade-Halle im OCM
Arcade-Halle im OCM
QIX auf dem Arcade
QIX auf dem Arcade

Wenn man durch ein weiteres Wohnzimmer geht, dann kommt man in die Arcade-Halle. Eine Anzahl von Arcade-Automaten ist spielbar. Viele weitere nicht laufende Geräte standen in einem abgesperrten Bereich dahinter. Ich habe Space Invader, Frogger und QIX gespielt. Zum Glück musste ich keine Münzen einwerfen. Ich war auch viel zu schlecht und hätte immer mehr Geld einwerfen müssen. Wer hat denn heute noch Kleingeld in den Taschen? Vielleicht waren die Homecomputer deshalb auch so beliebt. Man konnte quasi kostenlos Nächte lang spielen.

Minicomputer?

In einem Raum standen dann auch die sogenannten Minicomputer. Der Name ist wirklich irreführend. Sie waren nur mini im Vergleich zu den Großrechnern der sechziger und siebziger Jahre. Ausgestellt sind von Digital Equipment Minicomputer mit der Bezeichnung pdp 11/23 PLUS, pdp 11/34 und pdp 8/e. Mit ihren bunten Eingabetastern wirken sie wie aus Star Trek gefallen. Da ich mich zuletzt mit dieser Klasse Computer beschäftigt habe, war es schön diese Schränke dort ausgestellt zu sehen.

Die Retrocomputing-Community baut heute verkleinerte Repliken dieser bunten Eingabekonsolen. Eine solche habe ich letztes Jahr bei der Classic Computing 2023 in Dietzenbach gesehen.

Fazit

Nach drei Stunden war ich mit meiner Besichtigung des OCM durch. Ich habe fast alles gemacht und gesehen, was ich mir vorgenommen habe. Nur den IBM PC hätte ich gerne noch in BASIC programmiert. Leider war er noch nicht vorbereitet worden von den Vereinsmitgliedern. Und den Acorn RISC Computer hätte ich gerne noch ausprobiert. Aber das darauf laufende Spiel muss so gut gewesen sein, welches dauernd gespielt wurde, wenn ich dort vorbeikam. Beim Mühlhausener KC85/3 konnte ich mir mit einem BASIC-Handbuch selbst behelfen.

Vergleich mit anderen Computermuseen

Wenn ich die vielen Computermuseen vergleichen und bewerten müsste, dann würde das OCM eine eigene Kategorie begründen. Durch seinen Hands-On Ansatz und Fokus auf Homecomputer der 70er und 80er und die BASIC-Programmierung verbringt man viel Zeit im OCM mit konkreten kleinen Programmierprojekten.

Das unterscheidet sich sehr von Computermuseen wie dem Homecomputermuseum in Helmond, dem Binarium in Dortmund (nur noch online seit Januar 2024) und dem HNF in Paderborn. Dort liegt der Schwerpunkt in der Vielzahl der ausgestellten Geräte, die es damals gab.

Da sticht für mich das Homecomputermuseum von Bart van den Akker einfach hervor. Die Masse an unterschiedlichen Computern der letzten 40 Jahre ist einfach überwältigend. Da könnte ich Tage verbringen. Aber man wird nicht angeleitet, wie das im OCM gemacht wird.

Am ehesten vergleichbar mit dem OCM ist meiner Meinung nach das centre for computing history in Cambridge. Viele Homecomputer sind in Betrieb und können verwendet werden. Ein ganzer Raum ist dem BBC Micro und dem Computer Literacy Project der BBC gewidmet.

Verbesserungsvorschlag

Worüber ich mich wirklich noch gefreut hätte wäre ein Verkauf von überflüssigen Teilen aus dem Bergwerk, dem Lager des OCM. Sowas habe ich in Cambridge und Helmond gesehen und fand es für Sammler eine interessante Möglichkeit Stücke für das eigene Museum zu finden. In Helmond habe ich damals einen Spectravideo SVI 328 MkII kaufen können. Dieser ist nun auch Teil meines eigenen Computermuseums geworden.

Was ist toll am OCM?

Das cleane und durchgestylte Konzept des Homecomputerbereichs ist schon besonders. Jedem Computer steht viel Raum zur Verfügung. Hier wirkt nichts überladen. Die weißen Schreibtische sind einheitlich gestaltet und vermitteln eine aufgeräumte Atmosphäre. Immer wieder sieht man auch das Grün des OCM. Die Beleuchtung ist sehr angenehm.

Cleanes und aufgeräumtes Präsentationskonzept
Cleanes und aufgeräumtes Präsentationskonzept

Hervorheben möchte ich nochmal den Enthusiasmus der Vereinsmitglieder, die den Aufenthalt für die Besucher angenehm gestaltet haben. Es hat Spaß gemacht, sich mit ihnen auszutauschen. Da sieht man, dass man mit seiner Begeisterung für diese spannende Zeit der 80er Jahre nicht alleine ist. Hier wird die Vergangenheit für die Menschen der Gegenwart verständlich gemacht. Ich kann damit das Oldenburger Computermuseum jedem empfehlen, der verstehen möchte, was wir Computer Kids damals cool fanden und womit wir uns die Nächte um die Ohren geschlagen haben.

Nachtrag 18.11.2024 – Mail vom Gründer des OCM

Am 18.11. meldete sich Thiemo Eddiks, der Gründer des OCM per E-Mail bei mir. Er bedankte sich über meinen Beitrag und wies darauf hin, dass sie vor kurzem die neue Halle mit dem Hochregal eröffnet haben. Sehr beeindruckende Bilder und eine schöne Rede beim Festakt in der Halle. Das ist ein weiterer Grund nochmal ins OCM zu fahren.

Bei der Gelegenheit habe ich Thiemo gebeten, mir doch den OCM Quiz zuzusenden, den ich bei meinem Besuch nicht ausfüllen konnte. Wenig später hatte er mir diesen schon zugeschickt. In knapp 10 Minuten hatte ich den Quiz gelöst. Schon herausfordernd, aber wer in den 80ern mit Homecomputern aufgewachsen ist, wird wenig Schwierigkeiten bei diesem Quiz haben. Aber es sind schon ein paar knifflige Fragen dabei.

Vielen Dank Thiemo, und weiterhin viel Erfolg mit Deinem großartigen Team vom OCM.

2 comments

  1. Hallo Andreas. Danke für den tollen Bericht über das OCM. Da will ich schon lange mal hin, aber leider ist es von mir aus ziemlich weit und ich müsste es wohl mit einem Urlaub verbinden. Aber das Museum ist auch genau mein Ding, denn es behandelt, wie du auch schreibst, die Generation an Computer aus meiner/unserer Jugend. Und das Selbst-Ausprobieren-Konzept finde ich grandios. Das umzusetzen bedeutet viel Aufwand und das machen die Kollegen vor Ort seit Jahren mit viel Liebe!

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